Samstag, 1. Mai 2010
Programmierung, die kleinen Voreinstellungen fürs Leben
Diese Programmierung besteht aus drei unterschiedlichen Strukturen. Das gibt es die erbliche bedingte. Also das, was man von der Stunde „Null“ schon mit im Gepäck hat, bevor die eigentliche Show des Lebens beginnt.
Dann kommt die Sozialisierung von außen hinzu. Auch ein großes Kapitel. Also was widerfährt dem Individuum von der Stunde „Null“ bis zum eigentlichen Abschluss und der endgültigen Formung der Persönlichkeit, des Charakters und somit des Individuums.
Zum guten Schluss gesellt sich noch die Sozialisierung von innen hinzu, was den persönlichen Interessen, Begegnungen, Begabungen, Talenten, Faulheit, Zufall, Glück, Pech, Krankheiten und allem anderen entspringt oder eben nicht.
Somit wird das Individuum in seiner endgültigen Form von diesen drei Parametern geformt, geschmiedet und gestaltet. Diese Form wandelt sich zwar nur noch minimal, aber sie wandelt sich zeitlebens durch den Einfluss dieser drei Parameter. Wenn man nach 25 Jahren zu einem Klassentreffen kommt, bemerkt man nach nur fündf Minuten, dass alle Verhalten und Rollenspiele wie früher sind. Es hat sich kaum was verändert.
Problem. Man nimmt die negativen Dinge ebenso kritiklos mit wie die positiven. Das Bewertungssystem macht gerade in jungen Jahren da noch keinen Unterschied. Das bildet sich erst im Laufe der Zeit raus. Somit legitimieren sich zum Beispiel Gewalt, Stress, Alkoholkonsum, falsche Ernährung, fehlende Bewegung und alles weitere für das gesamte Leben. Wer einem, mehreren oder allen diesen negativen Einflüssen nicht ausgesetzt wird, der ist zwar nicht davor gewappnet, aber er muss eine schwierige Phase durchlaufen, er muss sich überwinden. Er muss dem negativen bewusst den Vorrang gewähren.
Das tun nicht viele Menschen. Ebenso verhält es sich mit positiver Programmierung. Auch diese legitimiert den Gebrauch für das zukünftige Leben. Nun wird unser Leben, unsere Persönlichkeit vor allem durch die negativen Programmierungen negativ beeinflusst. Wir wissen aber erst nicht, dass diese negativ sind. Denn als sie in unsere Persönlichkeit gepflanzt wurden, war wie gesagt das Wertesystem noch nicht ausgebildet.
Dann verharmlosen wir diese negativen Aspekte unserer Persönlichkeit. Dann verteidigen wir diese negativen Aspekte unserer Persönlichkeit. Dann kaschieren wir die negativen Aspekte unserer Persönlichkeit. Dann erklären wir diese. Dann, wenn noch Zeit bleibt, bekämpfen wir diese. Dieser Prozess, Negatives bewusst nicht weiterzugeben an Generationen danach, ist nicht weit verbreitet. Deshalb zieht sich eine Großzahl menschlicher Probleme über Generationen hin und werden auch noch lange fester Bestandteil des Menschen sein.
Es ist nicht nur schade, sondern es ist absolut ernüchternd, dass die menschliche Intelligenz nicht dazu ausreicht, einen Bruch mit diesem Verhalten zu vollführen, denn es würde Raum für das Positive schaffen. Man würde viel weniger Aggressionen und Konfrontationen haben. Bestimmte Konflikte wären ausgestorben. Aber wie gesagt, es ist Teil des Menschen, dass er dazu nicht oder nur minimal im Stande ist. Das verwundert, wenn man bedenkt, mit wie viel Aufwand er alles unternimmt, um technische Mängel zu beseitigen oder Entwicklung voran zu treiben. Aber bei sich selbst ist er dazu nicht im Stande. Ich meine, das liegt darin, dass das Individuum noch nicht akzeptiert in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. So sein wie. Übereinstimmung mit. Das Verstecken, Verkleiden und Verändern der Persönlichkeit hin zu einem „Ideal“ ist immer noch weit verbreitet. Man selbst zu sein, ist noch nicht so weit verbreitet. Aber es ist nicht ausgeschlossen, dass auch diese Entwicklung mal vollzogen werden könnte.
Wenn man bedenkt, was schon alles in der Mitte der Gesellschaft endlich angekommen ist und welches Übel man an den Rand gedrängt hat, dann stirbt auch hier die Hoffnung zuletzt.
Mittwoch, 14. April 2010
Von wegen Paradies
Somit ist dieses ewige Bestreben nach Perfektion, nach Vollendung, nach Vollkommenheit von dem Umstand begleitet und dann? Was kommt danach? Ich spiele auf dem Handy gerne Five Duce, dass ist Kniffel auf englisch. Zur Entspannung ist das wunderbar. Es ist ein Glücksspiel, das auch eine taktische Dimension hat. Das perfekte vollkommene Spiel würde bedeuten, dass man 1, 2, 3, 4, 5, 6 Kniffel wirft. Dann einen 3 und 4 Pasch mit 6er Kniffel. Dann ein Full-House, kleine und große Straße, den Kniffel überhaupt und auch bei der Chance einen 6er Kniffel. Somit bräuchte ich 13 Kniffel für das vollkommene Spiel. Mehr geht nicht. Das bedeutet, die maximale möglich Punktzahl beträgt 1.614 Punkte. 95% aller Spiele erzielen weniger als 300 Punkte. Aber ebenso mehr als 150 Punkte.
Um beim Beispiel zu bleiben. Wer unter 150 Punkte wirft, erlebt die Hölle, wer über 300 wirft, bewegt sich auf das Nirvana zu. Mein höchstes Spiel beträgt unglaubliche 704 Punkte. Gespielt am 01.02.2010. Es war nur ein Spiel von sehr vielen.
Trotzdem reizt es den Menschen, diese Latte höher und höher zu legen. Auch wenn es nicht oder nur lange nicht gelingt. Wir wollen immer höher hinaus – warum? Denn das Blöde am perfekten Spiel ist, dass man es danach nicht mehr spielt. Wer das Maximum erreicht hat, der hat nichts mehr zu erreichen. Somit ist es von Vorteil, wenn wir dieses nie erreichen, um den Reiz, die Motivation aufrecht zu erhalten.
Es gibt immer einen der reicher, schlanker, schlauer oder was auch immer ist. Aber warum messen wir uns ständig? Warum bewerten wir ständig? Warum liegen wir ständig im Wettbewerb? Wenn nicht mit uns selbst, dann mit anderen? Warum ist das ganze Leben ein großer Wettbewerb?
Es ist genau dieses Verhalten, was das Leben miteinander zu kompliziert macht. Würden wir das lassen – was natürlich nicht geht – aber nur mal hypothetisch gedacht, würden wir diesen Wettbewerb der Religionen, Menschen, Systeme, Ideologie, Dogmen, des Wissens, der Meinungen und allem anderen einfach lassen und den Wettbewerb wandeln in eine Art gemeinsamen brüderlichen produktiven und konstruktiven Umgang miteinander, was wäre dann?
Mein Gefühl sagt mir, dass der Mensch alles unternimmt, um überlegen zu sein. Alles. Er denkt wirklich, der Zweck heiligt die Mittel. Dabei lenkt das ab von den wesentlichen Dingen. Wäre das etwa das Paradies? Die völlig vollendete Langeweile, wenn alle Menschen nicht mehr im Wettbewerb zueinander stehen. Niemand mehr Überlegenheit anstrebt, sondern wie bei einer schönen Fahrradtour das gemeinsame Erlebnis im Vordergrund steht, gemeinsam loszufahren und gemeinsam anzukommen. Wenn der Langsamste das Tempo angibt und niemand ihn dafür drangsaliert, sondern eventuell unterstützt.
Natürlich genießt gerade der Wettbewerb seinen besonderen Reiz. Die Lust etwas zu erlernen. Etwas zu können und das besser als andere. Oder sogar am besten. Aber ein Gefühl sagt mir, so schön dieses Bestreben auch ist, es lenkt ab von dem, was wirklich wichtig ist.
Freitag, 9. April 2010
Der unbändige Wunsch nach Anerkennung
Und wenn die Anerkennung nicht von außen kommt, dann holt man sie sich von innen. Mit den sichtbar negativen Ergebnissen. Wenn man den ganzen Tag gearbeitet hat, aber nicht das Gefühl der Anerkennung einem zuteil wurde, dann entwickelt man Verhaltensweisen und Rituale, die dieses Defizit ausgleichen.
So gönnt man sich zum Beispiel eine Flasche Wein. Und isst dazu etwas Leckeres. Diese Art der Selbstbestimmung und die damit verbundene Freiheit, sich selbst als Anerkennung etwas Ggutes zu tun, ist nur der direkte Weg in die Falle. In die Falle einer Verhaltensauffälligkeit, die dann zur Verhaltensstörung wird und in einer Sucht enden kann. Bei alldem geht es aber nur um dieses Gefühl, das man so sehr vermisst.
Bekommen diese Menschen zu wenig Anerkennung? In der Regel ist das nicht so. Es verhält sich wie bei allen anderen Menschen auch. Aber in der Sozialisierung gibt es da eine Störung. Oft gab es zu viel Anerkennung für zu wenig. Vor allem in der Kindheit. Kinder wurden für alles mögliche über den Klee gelobt. Die Unverhältnismäßigkeit von Anerkennung bringt das psychische Wertesystem in Schieflage. Nun ist das Kind aber schon in den Brunnen gefallen. Wer kennt keine Menschen in seinem Umfeld, die mit solchen Verhalten zu kämpfen oder darunter zu leiden haben. Meist trifft beides zu.
Aber das Beenden oder Einschränken von solchem Verhalten bringt die Angst mit sich, auch diese Art der Anerkennung von innen zu verlieren. Deshalb hören Menschen damit nicht auf. Es ist paradox, aber Menschen gehen lieber lebensbedrohliche Risiken ein, anstatt einem gesunden Menschenverstand folgen zu können.
Somit hilft auch keine falsche Anerkennung. Die Menschen sind nicht blöd. Das merkt ja jedes Kind. Sondern wenn die Menschen nicht das Glück finden, etwas zu machen, was ihnen ein gesundes Verhältnis zu echter Anerkennung vermittelt, dann wird und kann sich nichts ändern. Somit müssen sie lernen, mit diesem Gefühl richtig umzugehen. Man muss akzeptieren, die Schuld nicht in der Vergangenheit zu suchen. Denn eigentlich war es ja nur gut gemeint. Da wussten es Menschen einfach nicht besser. Es lag kein bewusstes Handeln vor, das absichtlich dieses Störung hervorrufen sollte, sondern ganz im Gegenteil, da wollten Menschen einem eigentlich etwas Gutes tun.
Und so zieht sich das dann durch ein ganzes Leben. Nichts ist gut genug. Sogar am Lob hat man was auszusetzen. Es kommt zu spät oder von der falschen Person. Man wird im Laufe der Jahre unfähig, Anerkennung zu erkenne, zu sehen und anzunehmen.
Was das Rad der Verhaltensstörung nur schneller drehen lässt. Somit wird die Wesensveränderung immer umfangreicher. Die Dosis dessen was man macht um sich selbst Anerkennung zu zollen wird größer und größer. Und sie wird im sozialen Kontex eines Miteinanders absurder. Man zieht sich immer mehr in sich und auf sich selbst zurück.
In der Falle. Wo ist der Ausweg? Wie kommt man aus diesem Hamsterrad wieder heraus? Was unterbricht diese Kettenreaktion? Einfach gesagt: professionelle Hilfe. Wer an sich selbst erkennt, dass sein Verhalten unnatürlich und besorgniserregend ist, dem kann man helfen. Mein Hinweis an Menschen, die solche Menschen kennen und schier verzweifeln, weil sie es nicht schaffen, etwas dazu beizusteuern, was dieses Verhalten verändert: Man kann nichts machen. Nichts. Außer da zu sein, wenn der Hilferuf kommt. Und dann wirklich da zu sein.
Es ist wie bei Diäten. Der Wunsch eines Menschen abzunehmen, ist groß. Der Grund, warum man dick wird, ist aber wie beschrieben einfach. Man isst nicht aus Hunger, sondern um ein Bedürfnis nach Anerkennung zu befriedigen. Somit kann man eine zeitlang dieses Bedürfnis mal hinten anstellen. Aber nach der Diät klopft dieses wieder an der Vordertür an und kommt auch durch diese wieder hinein, denn die Anerkennung einer Diät ist nicht von Dauer. Was einem am Anfang einen Schub verleiht, ebbt ab. Und nun? Nun ist auch diese Anerkennung erloschen. Also fällt man in alte Verhaltensmuster zurück.
Der Ausweg ist nicht die Diät, das Abnehmen und besser aussehen. Der Ausweg ist die Veränderung der Verhaltensauffälligkeit – Essen und Trinken als Anerkennung. Begreifen, dass dies ein falsches, dummes und nicht funktionierendes Ritual ist, das das eigentliche Problem sukzessive verstärken muss. Somit ist der Weg der falsche in die genau falsche Richtung.
Es geht allein um den angemessenen Umgang mit der Anerkennung. Wer diese aus sich selbst schöpfen kann, darf sich glücklich schätzen. Wer auf Anerkennung von außen in immer höheren Impulsen angewiesen ist, der ist übel dran. Also, was denkst Du wirklich über dich? Nur du? Beobachte dich. Reflektiere dich. Vergleiche dich. Wer würdest Du gerne sein? Wie würdest Du gerne gesehen und verstanden werden? Welcher Mensch würdest du gerne sein, wenn du dir diesen wünschen könntest? So, und nun verhalte dich auch so. Konstant, konsequent, kontinuierlich und kreativ.
Sonntag, 28. März 2010
Unvollkommene Betriebsanweisung für ein anderes Leben

Bevor man etwas ändert, sollte man genau wissen, was man ändern will, warum man es ändern will und welches Ziel man damit verfolgt. Wer mit dem Bier trinken aufhören will und anstatt Bier Wein trinkt, der hat zwar was geändert und mit etwas aufgehört, aber es kommt so ziemlich auf dasselbe raus.
Somit zäumt man auch dieses Pferd am besten von hinten auf. Das heißt, wie soll dein Leben sein, so dass es genau so ist, wie du es dir wirklich wünschst. Und lege dabei keinen Wert auf materielle Dinge, sondern primär aufs ideelle und emotionale. Das heißt, wenn du dir mehr Zeit wünschst, dann ist das eine Sache. Aber wofür? Eventuell hast du keine Zeit, weil du mit Zeit ohnehin nichts anzufangen wüsstest. Somit ist das Klagelied nur das Echo dessen, was alle sagen. Viel Stress, wenig Zeit. Aber nimmt man den Menschen den Stress und gibt ihnen Zeit, füllen sie das entstandene Vakuum nur mit neuem Stress und somit wieder zu wenig Zeit aus.
Aber will man wirklich mehr Zeit mit seinen Freunden verleben. Oder mehr Zeit mit sich, weil man lesen, sich fortbilden, Klavier lernen, eine Sprache dazu lernen will. Weil man Sport betreiben will. Oder mehr im Garten arbeiten. Zeit soll gefüllt werden, ob mit Anspannung oder entspannt.
Somit haben zwar viele den latenten Wunsch, etwas zu ändern, aber fehlende Interessen verhindern ein konsequentes Handeln. Somit bezeichne ich das lieber als „Leiden auf hohem Niveau“. Was gibt es schöner als eine erfüllte Zeit zu haben und voller Zufriedenheit mit der nötigen Müdigkeit und der damit verbundenen Bettschwere in dasselbe plumpst und sich schon auf den nächsten Tag freut.
Was ist schlecht an Stress, solange dieser nicht negativ und ausdauernd ist? Ich denke, dass die wichtigen Dinge, die man im Leben ändern sollte, sehr einfach sind. Sie erscheinen einem nicht so wichtig. Sie sind nicht ständig präsent. Wer die Chance haben will auf möglichst viele erfüllte Tage, der muss nicht nach mehr oder anderem streben, sondern vor allem nach weniger und beständig.
Es ist die Kunst des Weglassens. Die Kunst des Loslassens. Und das Wenige muss sich auf einem idealen optimalen Niveau abspielen. Nicht die Masse macht glücklich, sondern die wirkliche Befriedigung eines relevanten Bedürfnisses. Keiner hegt den Wunsch, viel Medizin zu nehmen, um gesund zu werden, sondern am liebsten würden wir keine oder so wenig wie möglich zu uns nehmen. Wenn man genau hinschaut, verhält es sich mit vielen Dingen in Wirklichkeit so.
Meetings in Unternehmen ersetzen den Wunsch nach sozialen Kontakten. So alleine am Arbeitsplatz und im Büro ist ja zeitweise ganz nett. Aber wenn Menschen zusammen kommen, dann löst das etwas in uns aus. Nur blöd, wenn das Meeting dann so instrumentalisiert wird, dass außer sozialem Kontakt dabei nichts mehr herauskommt. Das kann man an vielen Stellen unserer Gesellschaft beobachten. Die Zusammenkunft hat mit dem, was man da macht, eigentlich nichts zu tun. Man trifft sich nicht zum grillen, um wirklich nur zu essen.
Unser Bedürfnis, Dinge gemeinsam zu erleben, ist spürbar groß. Wir nutzen viele Gelegenheiten, um diesen Bedarf zu befriedigen, bemerken aber, dass die Qualität leidet. Somit fehlt uns vor allem deshalb Zeit, weil wir diese in falsches Verhalten investieren mit dem immer gleichen unbefriedigten Ausgang. Wenn wir das ändern, dann ändern wir alles. Das ist wie eine Kettenreaktion. Man muss nicht viel ändern, man muss nur das Wenige aber richtig ändern. Zum Beispiel die Wertschätzung. Wenn man die Wertschätzung sich selbst gegenüber auf ein hohes Niveau stellt und passend zu diesem sich entsprechend allem und allen anderen gegenüber verhält, dann treten alle die Veränderungen ein, die wir uns insgeheim wünschen. Denn wie sollen ganze Tage für uns die reinste Erfüllung sein, wenn wir nicht die nötige Wertschätzung aufbringen? Nicht uns selbst gegenüber und allem und allen anderen? Das ist unmöglich und das zeigt das Bild unserer Gesellschaft. Uns fehlt es fundamental an Wertschätzung.
Denn aus dieser entspringt all das, was wir uns als Zutaten für einen erfüllten Tag, eine erfüllte Woche, Monate, Jahre bis hin zu einem erfüllten Leben wirklich wünschen sollten. Diese Qualität der Wertschöpfung entspringt der gelebten Wertschätzung. Glaube ich.
Montag, 30. November 2009
Der schöne Tod
Er ist der einzige wirkliche Beweis dafür, dass man gelebt hat. Und es ist das Einzige, was allen Menschen gleichermaßen widerfährt. Allen. Früher oder später. Somit ist er ein fester Bestandteil unseres Lebens. Vor 150 Jahren waren Leben und Tod ständiger Begleiter der Menschen. Viele Kinder starben und die Menschen starben auch früher. Mütter starben bei der Geburt. Somit war der Tod früher ein Teil des Alltags. Heute nicht mehr.
Heute ist der Tod das, wovor die Menschen am meisten Angst haben. Und die Rituale um den Tod steuern gehörige Portionen zur Angst bei. Wer schon das Grab eines Kindes gesehen hat und diesen ein Meter kurzen weißen Sarg, der dann in die Erde niedergelassen wird, der kann nachfühlen, was ich meine. Ich hasse dieses Ritual. Diese Art der Verabschiedung vom Leben.
Es räumt dem Tod einen Platz in unserem Denken ein, der ihm zu Lebzeiten eigentlich nicht zusteht. Unser Umgang mit dem Tod ist bedenklich, denn er ist nicht natürlich. Der Schmerz und die Trauer, die Menschen erfüllt, die einen Toten zu beklagen haben, ist so groß wie unnatürlich. Er ist Spiegelbild einer Gesellschaft, die nicht loslassen kann. Die sich von Altem nicht trennen will. Das Natürlichste, was dem Menschen widerfahren kann und muss, erscheint uns wie die größte Ungerechtigkeit auf Erden. Da stimmt doch was nicht. Da stimmt doch was mit unserem Umgang, unseren Emotionen und unserer Einstellung nicht.
Wenn der Sohn eines Popstars sich aus dem Hotelzimmer zu Tode stürzt, werden wir emotional so berührt, wie zuvor von vielen seiner Lieder nicht. Herbert Grönemeyer widerfährt dasselbe. Die Anteilname an seiner Trauer entspricht nicht einem normalen Umgang mit dem Tod. Und so rückt der Tod als das zentrale Ereignis, bei dem der Mensch zu Emotionen fähig ist, zu Gemeinschaft, zu Toleranz, zu Verständnis und zu Mitgefühl, immer mehr in den Fokus. Hier empfinden wir für einem Moment das, was wir unter Lebenden aber nicht leben können.
Erst im Tod kommen sich Menschen so nah wie sonst selten oder nie. Das ist eine traurige Entwicklung und somit wird der Tod völlig überbewertet. Mir ist das bei Robert Enke aufgefallen. Ich habe mich von dem Gemeinschaftsgefühl mitreißen lassen und es war ein schönes gemeinsames Gefühl und Erlebnis. Nur habe ich mich gefragt, warum die Menschen nicht immer so miteinander umgehen. Muss erst eine WM im eigenen Land sein oder jemand auf diese Weise sterben.
Wir scheinen uns in eine Gesellschaft gewandelt zu haben, die mehr in den Emotionen anderer lebt, als in den eigenen. Wir leben unser nichterfülltes Leben in diesen Menschen, die oft Menschen des öffentlichen Interesses sind. Wir kochen toll mit Fernsehköchen, ohne selbst zu kochen. Wir unterhalten uns toll in Talkshows, ohne uns selbst zu unterhalten. Wir werden gesund in Krankenhausserien, ohne selbst krank gewesen zu sein. Wir werden vor Gericht freigesprochen, ohne selbst nur angeklagt gewesen zu sein.
Den Menschen scheint es zu genügen, nur so etwas wie zu leben, anstatt es selbst zu erleben. Das ist offensichtlich und klar. Wir leiden mehr mit anderen, als mit uns selbst. Und am deutlichsten merkt man das beim Tod. Wir sind fasziniert von den Emotionen, die wir durchleben und glücklich, dass es nicht uns selbst getroffen hat.
Somit streben wir zwar weiterhin nach Glück, aber wir leben gerne im Unglück anderer. Natürlich ohne uns das offen einzugestehen. Wäre der Tod, das Leid, der Schmerz, die Krankheit weiterhin ein ständiger Bestandteil unseres Leben, hätten wir diese Sehnsucht, uns im Leiden anderer wohlzufühlen, sicher nicht. Somit befriedigt der Mensch seine Sehnsucht nach Unglück im Unglück anderer. Das befriedigt offensichtlich die Sehnsucht. Aber es muss auch regelmäßig einen da draußen treffen. Somit trauern wir nicht, sondern wir fühlen mit. Und dieses Gefühl löst Emotionen in uns aus, die wir offensichtlich wollen. Deshalb ist das Leiden mit anderen und in anderen zum festen Bestandteil unserer Gesellschaft geworden. Die Medien bedienen dieses Bedürfnis immer mehr und immer intensiver.
Der unnatürliche Tod ist ein Geschenk Gottes für die Medien geworden. Es gibt nur ein Problem: dafür gibt es noch keine Werbepartner. Somit erreicht man zwar traumhafte Einschaltquoten, aber mehr noch nicht.
Denn jeder dieser Schicksalsschläge anderer heizt unser Bedürfnis emotional auf und wir wollen auf diese Weise mehr und mehr berührt werden. Es klingt nicht nur krank, es ist es auch. Um auf die Eingangsgeschichte mit dem toten Kind zurückzukommen: Ich konnte nach dem Begräbnis wegfahren und das Problem somit hinter mir lassen. Und mit jedem Kilometer, den ich wegfuhr nach Hause, wurde mir klarer, dass die Betroffenen dem Problem nicht so einfach enteilen können. Ich war nur froh, dass mir das nicht passiert ist. Heil froh.
Somit ist mir klar geworden, dass wir unsere Gefühle ganz gerne in anderen Menschen ausleben. Ist praktisch. Man muss beim Fernsehkoch nachher nicht spülen. Man muss nicht ins Gericht und man muss nach einem Begräbnis keine Briefe mit Danksagungen rausschicken. Nennen wir es man Gefühle Light.
Freitag, 27. November 2009
Keinen Schritt zurück
Somit sind, wenn man genauer hinsieht, extreme Positionen, die dogmatisch vertreten werden, mehr als verhaltensauffällig. Die einen kommen mit ihrer Homosexualität nicht klar und nehmen extrem rechtspolitische Positionen ein. Man denkt nur an John Edgar Hoover. Der hat es wirklich mit allem und jedem aufgenommen, der so etwas wie Freiheit beanspruchte, was eine Antwort auf seine Unfreiheit ist. Er war auch homosexuell.
Du sollst nicht töten. Auch das ist so eine dogmatische Einstellung. Wenn dabei bedenkt, welch wichtige Rolle die Religion in Parteien und in der Politik spielen, verwundert es, dass genau das Töten im Namen des Volkes legitimiert wird. Nicht die Grünen müsste eigentlich das Attribut des Pazifismus begleiten, sondern CSU und CDU. Denn die tragen das 5. Gebot in ihrer Bezeichnung.
Somit scheinen dogmatische Positionen eigentlich keine Positionen zu sein. Ähnlich verhält es sich auch mit dogmatischen Meinungen und ideologischen Einstellungen. Oft ist der Hintergrund ganz einfach ein emotionales persönliches Problem.
Warum können sich Israelis und Palästinenser nicht einigen, obwohl die ganze Welt sich das wünscht? Und sogar der überwiegende Teil beider Lager auch. Auch hier sind es die extremen Positionen einiger Weniger, die das bis auf weiteres verhindern und unmöglich machen. Diese sind getrieben von schweren psychologischen Störungen. Somit müsste man die wenigen nur therapieren und die Welt sähe schon anders aus.
Aber die Wenigen lassen sich nicht therapieren, denn sie stehen ja mit dem Rücken an der Wand. Somit können sie nicht von ihrer Position weichen. Der Schritt nach vorne fällt einfach zu schwer. Ein Dilemma für die Menschheit. Aber eins, das sich hartnäckig und schon ewig hält.
Dienstag, 3. November 2009
Was für die meisten noch unbekannt, für viele neu ist, ist für einige schon ein alter Hut
Nehmen wir mal das Internet. Ein Gebiet, das mich interessiert. Da freuen sich Menschen über Skype oder darüber, dass ihr Profil auf XING so oft aufgerufen wurde. Schicken einem Links von youtube-Videos. Erklären einem den Google Kalender und faseln was von Wave. Und so weiter und so weiter.
Der Interessierte fährt nur schon viele Kurven weiter vorne. Somit sind das für ihn alles alte Hüte. Blogs. Dasselbe gilt für Blogs. Das war vor Jahren mal ein Thema, hat sich aber überholt. Das Internet ist eine sehr junge Entwicklung, deshalb geht es so rasant weiter und vor allem von so vielen verschiedenen Seiten.
Deshalb interessiert mich auch das Internet so, weil einfach sehr viel in sehr kurzer Zeit passiert und auf lange Sicht kein Ende in Sicht ist. Das kann man von Autos, vom Fussball und vielen anderen Dingen des täglichen Lebens nicht sagen. Im Internet kann man jeden Tag was Neues entdecken, dazulernen, ausprobieren. Es steckt eigentlich noch in den Kinderschuhen, aber dafür hat es schon echt viel drauf.
Alle Strategien und Theorien der alten Welt gehen hier nicht auf. Es gibt nur wenig, worüber sich so viele geirrt haben, wie das Thema Internet. Für interessierte Menschen ist es das Eldorado. Die Dinge kommen und gehen in einer Geschwindigkeit, dass einem oftmals der Atem stockt.
Das Besser ist bekanntlich der größte Feind des Guten. Im Internet gilt das besonders. Nichts ist wichtiger im Internet als Relevanz, alles andere liegt wie Blei. Es ist wie bei den Ameisen. Wenn die etwas zum Fressen finden, dann legen sie eine Duftspur, und umso stärker diese ist, umso mehr Ameisen folgen ihr. Und hinterlassen wieder Spuren, so dass noch mehr kommen. Bis, ja bis der Duft nachlässt oder von woanders her ein stärkerer weht.
Ebenso entwickelt sich das Internet. Da sind Marken Schall und Rauch, wenn es keine Relevanz gibt. Viele große und bekannte Marken sind natürlich auch da beim Stelldichein, aber ohne Relevanz. Sie sind eben nur da. Es scheint, dass sie an den Menschen im Internet kein oder nicht genügend Interesse haben. Aber dafür gibt es viele andere Seiten, welche die Interessen von Besuchern perfekt versorgen.
Und wie gesagt, das, was sogar mir jetzt neu erscheint, darüber können einige nur milde lächeln. Aber ich versuche nicht, sondern ich will bei vielen Dingen rund um das Internet dabei sein. Weil ich weiß, dass es das Medium der Zukunft sein wird, weil es dies jetzt schon ist.
Fast jeder Mensch hat Interessen. Auch wenn diese nicht ehrenwert sind. Die Summe aller Interessen wird im Internet abgebildet. Das Internet ist schon jetzt das Spiegelbild unserer Zeit und der Gesellschaften, die darin leben. Wenn Kunst das qualitative Konzentrat einer Zeit ist, dann ist das Internet das Kunstwerk unserer Zeit.
Aber wie gesagt, man muss wirklich dran bleiben und sich spezialisieren im Internet, sonst wird es einfach zu viel und zu schnell. Ich konzentriere mich auf alles, was Kommunikation ausmacht. Denn das ist mein Thema. Und ich kann nur sagen, es ist toll und begeistert mich unglaublich. Wer kommuniziert. Was kommuniziert wird. Von wo kommuniziert wird. Und auch wie kommuniziert wird.
Aber wie gesagt, ich möchte niemandem einen Vorwurf machen, dass ihn das Internet überhaupt nicht interessiert. Das ist völlig in Ordnung. Es gibt auch viele Menschen, Berufe und Interessen, die mit dem Internet nun wirklich nichts oder noch nichts zu tun haben. Aber trotzdem nagt in mir immer der Zweifel bei Menschen, die das Internet ablehnen, ob die nicht doch was Wichtiges verpassen. Eine gute Chance.
Aber das liegt sicher nur an meinem Interesse dafür. Ich nehme das zu wichtig. Wenn ich Recht behalte, dann kommen alle über kurz oder lang doch eventuell dahin, wo ich denke, dass die Entwicklung hingeht. Und wenn nicht, ist es auch egal.
Es gibt einfach zu viel, was man wissen müsste, aber nicht kann. Und dabei weiß man soviel Unwichtiges. Wenn man nur wissen könnte, was wichtig ist und was nicht. Was man mal gebrauchen kann und was nicht. Leider ist uns das nicht in die Wiege gelegt. Aber uns bleibt wenigstens die Hoffnung, dass wir unser Wissen für unsere Ziele und Zwecke nutzen und einsetzen können. Wer weiß, für was man es mal gebrauchen kann? Wer weiß, wofür es gut ist? Vielleicht sind interessierte Menschen, die Wissen anhäufen, ohne zu wissen, was sie damit anfangen können, aber es einfach nicht wegwerfen können, übersehen können oder einfach vergessen können, etwas Besonderes.
Sie sind so eine Art Gedanken-Messis, die sammeln und sammeln. Warum? Weil sie überzeugt sind, dass der eine Gedanke dabei sein kann, der ihnen mal wirklich hilft, wichtig ist oder ohne den sie nicht weitergekommen wären.
Freitag, 30. Oktober 2009
Zum Glück gezwungen
Ganz im Gegensatz zum Pech. Das konnte niemand kommen sehen. Daran trägt keiner die Schuld.
Da es so ist, habe ich versucht, mich darauf zu spezialisieren, wohin die Reise des Glücks denn nun mal wieder geht. Dazu muss man empfänglich für das sein, was man nicht sieht, hört und fühlt. Man darf sich nicht auf das Bewährte stützen, sichnicht auf dem Errungenen ausruhen, sondern man muss versuchen zu erkennen, wohin die Achterbahn des Glücks denn jetzt geht.
Denn vor dem Glück steht immer eine vermeintlich unglückliche Aneinanderreihung von Umständen, die einen zu neuem oder anderem Glück erst treiben. Wie oft hört man das von getrennten Paaren, die so unglücklich über die Trennung scheinen, um dann das Glück fürs Leben zu finden. Wie viele haben geglaubt, nur an einem Ort glücklich werden zu können und dann mussten sie umziehen. Mit dem Ergebnis, an einem anderen Ort um ein vielfaches glücklicher zu sein. Der Job. Der Kunde. Die Katze. Das Auto. Das Restaurant. Ständig wartet hinter dem vermeintlichen Verlust von Glück ein noch größeres.
Wie oft habe ich in hoffnungslose, gedemütigte, geknickte Gesichter gesehen, um einige Zeit später zu hören: Es hätte nicht besser laufen können. Oder wie Oma sagen würde: „Wer weiß, wofür es gut ist?“ Und so halte ich es auch. Denn ich bin es leid, das vordergründige Unglück maßlos überzubewerten. Sondern ich versuche, sofort hinter die Kulissen zu blicken, wohin das Glück denn nun unterwegs ist.
Da ich nichts ohne Grund schreibe, hat auch dieses seinen triftigen. Es gibt da die Szene in Herr der Ringe, als die Jungs durch so Höhlen müssen und da plötzlich gewaltige Monster auftauchen. Alle bekommen es höllisch mit der Angst zu tun und rennen um ihr Leben. Dann ist da die Brücke, über die alle müssen. Die Brücke zum rettenden Ufer. Das Unglück im Rücken und das rettende Ufer, das Glück zum greifen nahe, falls die Beine schnell genug sind.
Alle kommen rüber. Nicht alle. Gandalf schafft es so gut wie. Die Brücke stürzt hinter ihm ein und er krallt sich am rettenden Vorsprung fest. Eines der Monster hat er in die Flucht geschlagen, es fällt in die Tiefe unter der Brücke. Und in dem Moment, als alles Glück zusammenzukommen scheint, unternimmt das listige Monster einen letzten ebenso hinterlistigen Versuch, Gandalf doch noch die Kerzen auszublasen. So wickelt sich ein Lasso aus Feuer um sein Fußgelenk und mit dem höllisch schweren Gewicht der Monsters stürzt Gandalf in die Tiefe.
Die Geschichte könnte hier aufhören, tut sie aber nicht. Zum Glück taucht Gandalf einige Zeit später überraschend wieder in das Geschehen ein. Und er wird einer der Helden der ganzen Geschichte sein. Zur Zeit fühle ich mich wie Gandalf.
Auch ich muss rennen, um das Glück ergreifen zu können. Und der größte Antrieb ist das Pech, das einen verfolgt. Und es geht nicht nur mir so. Vielen Menschen geht es so. Es liegt in der Natur der Sache, dass man den Menschen zum Glück fast zwingen muss. Obwohl viele sich mit ihrem vom Pech verfolgen Schicksal abgefunden haben und zufrieden geben. Die machen es sich gemütlich und breit in einem Leben voller Pech, an dem immer andere Schuld sind. Ich habe das nie so gesehen und empfunden. Sondern jedes Pech, was mir widerfährt, ist ein Wegweiser zum Glück.
Man muss ihn nur sehen und verstehen können. Erst das erlebte Pech macht das erzielte Glück doch so kostbar. Und die Brücken, die hinter mir gerade einstürzen, sind der direkte Weg zum neuen anderen Glück. Ich bin schon sehr gespannt, was da wieder kommen mag.
Montag, 26. Oktober 2009
Rhythmusstörungen
20 Jahre später rollte die nächste Krise heran. Die New Economy-Blase zerplatzte. Es war meine erste Krise, die ich miterleben durfte. Um mich herum haben viele sehr viel Geld verloren. So dass sie nicht nur von vorne anfangen mussten, sondern auch mit einem fetten Minus belastet waren. Bis dahin kannte ich keine Krise. Meine Lebensplanung sah ewiges Wachstum voraus, wie bei meinen Eltern.
Wenn die 1978 zur Bank gegangen sind, um ein Haus zu kaufen, dann ging die Rechnung noch auf. Denn sie konnten sicher sein, dass der Kaas bis 1998 gegessen war. Die Zuversicht der Menschen, in 20 Jahren den Kredit wie am ersten Tag bedienen zu können, war groß. Sehr groß.
Krisen gab es nicht und wenn, dann nur alle 20 Jahre. In einem ähnlichen Rhythmus wurde Deutschland ja auch Weltmeister: 1954, 1974, 1990, 2010. So plusminus alle 20 Jahre. Aber nun traten wirtschaftliche Rhythmusstörungen auf, die alle Planungen ad absurdum führten, denn die Phasen zwischen den Krisen wurde immer kürzer. So wurden auch die Phasen des Wachstums und der möglichen Ansparung immer kürzer.
Der New Economy Krise 1998 folgte 2002 die nächste große Krise, ausgelöst durch den 11. September 2001. Damit war der 20-Jahre-Rhythmus durchbrochen. Und siehe da, nur ganze 7 Jahre später, 2009, folgte die nächste große Krise. Diesmal durch Immobilienspekulationen ausgelöst. Die Wirtschaft wurde von jeder Krise schwer getroffen. Insolvenzen über Insolvenzen folgten. Und die Phasen, um diese Krisen zu kompensieren, waren einfach zu kurz.
Die Unternehmen zerrten ihre Liquidität völlig auf. Die Banken trugen bekannterweise durch ihr „Nichts tun“ ihren Teil dazu bei. Ein System ohne Liquidität. Mit Krisen, die in immer kürzeren Intervallen kamen und jedesmal aus Ecken, die keiner vorhersehen konnte. Was bedeutet das in den Köpfen von Unternehmern? Wie verändert eine solche Situation das Denken und das Handeln?
Eins ist mal klar, die Kosten werden an allen Ecken und Enden so tief nach unten geschraubt, wie es nur geht. Und was übrig bliebt, sind flexible Kosten, so dass man sich binnen kürzester Zeit davon trennen kann. Die ganze Wirtschaft hat sich zu einem Warentermingeschäft gewandelt. Eine Wirtschaft ohne Sicherheiten. Eine Wirtschaft mit allen Freiheiten, die aber nichts nützen, wenn man nicht agieren kann, wenn man nicht planen kann, wenn man nicht vertrauen kann.
Die Parameter für Nachhaltigkeit sind nicht mehr gegeben. Niemand weiß, was in drei Jahren sein wird. Und drei große Krisen in nur zehn Jahren geben die Richtung vor. Es scheint so, dass wir uns komplett von der liebgewonnenen Vergangenheit der „Sicherheiten und Freiheiten“ verabschieden müssen. Und das aus gutem Grund, denn wir waren nicht in der Lage, diese zu schützen. Alle Errungenschaften stehen auf dem Prüfstand. Jeder Stein müsste eigentlich umgedreht werden, wie es im Mittelstand jeden Tag passiert.
Somit stellen sich Fragen wie: Warum haben wir 17 Umweltminister? Warum haben wir 16 Bundesländer? Warum leisten wir uns eine eigene Armee? Wir könnten die Kosten um das 16-fache in diesem Land verringern. Und wenn wir durchweg auf neue und moderne Technologien und Entwicklungen setzen würden, könnten wir nach sehr schmerzlichen ca. 10 Jahren, besser als alle anderen, auf die Zukunft vorbereitet sein.
Wenn die Politik als moralische und ethische Instanz nicht mit gutem Beispiel voran geht, wer dann? Wir leisten uns einen Apparat, der auf Gesetzmäßigkeiten der 40er und 50er Jahre aufbaut. Die unglaubliche Vergeudung von Ressourcen, die Selbstbedienungsmentalität in diesem Land hat alle Grenzen der Vernunft überschritten. Man ahnt und spürt, dass dieses System vor dem Kollaps steht. Wie das Ökosystem, in dem wir leben.
Wenn es der unglückliche Umstand will, dass beide Systeme gleichzeitig kollabieren, dann werden wir tatenlos zusehen müssen, wie alles, wofür die Generationen vor uns gelebt haben und die nach uns hofften leben zu dürfen, den Bach herunter geht.
Wir müssen in neuen Verhältnissen leben lernen. Verhältnisse, die nicht über unseren sind, sondern in unseren sind. Aber keiner will der Erste sein. Niemand macht bei sich den Anfang. Man muss feststellen, dass der Kapitalismus in der Form ebenso versagt hat wie der Kommunismus, nur dass wir uns nicht daran gewöhnen wollen, daran halten wollen. Wir sind nicht nur nicht reformfähig, sondern auch noch nicht reformwillig. Und das nur aus einem einzigen Grund.
Wir müssen die Rechnung jetzt nicht bezahlen. Das ist Kreditkartenpolitik. Die glauben alle wirklich, nur weil sie jetzt kein Bargeld dafür auf den Tisch legen müssen, sondern mit einer Plastikkarte bezahlt haben, das würde einen Unterschied machen. Bei der Kreditkarte ist der Unterschied optimal 20 Tage später, aber in der Summe kommt dasselbe heraus. Und gerade das Kreditkarten-, Kreditprinzip, dieser Gedanke, erst später für die Zeche aufkommen zu müssen - oder wenn man die Beträge stückelt, stände man besser da - hat Millionen in die private Insolvenz getrieben und noch mehr überschuldet.
Wenn ihr mich fragt, fahren wir das Ding vor die Wand. Weil der Mensch erst zum Handeln fähig und bereit ist, wenn es richtig weh tut. Vorher verfährt er im festen Glauben: Das wird schon gut gehen. Obwohl die letzten zehn Jahre das Gegenteil beweisen. Die Wachstumsphantasien sind ebenso blödsinnig wie Wertschöpfungsstrategien. Die Zeiten haben sich geändert und wir orientieren uns an alten und zugleich falschen Zielen.
Die Lösungen liegen vor uns. Aber wir packen lieber die Probleme an. Wir könnten in Lösungen investieren, stopfen das gute Geld aber lieber in Probleme. Das klingt stark nach der Arroganz derer, die sich überlegen fühlen. So lange es uns besser geht als anderen, darf man ja bekanntlich nicht klagen.
Meine Güte können die alle froh sein, dass ich nichts zu sagen habe und nicht in der Politik bin. Ich würde das ganze System, das offensichtlich auf dem Kopf steht, mal auf die Füße der Tatsachen stellen.
Freitag, 16. Oktober 2009
Beschäftigungstherapie

Zeit kann grausam sein. Muss aber nicht. Wenn man Zeit sinnvoll nutzt. Die Spezies "Mann" kann sich ein Leben lang in einen Keller zurück ziehen und sich dort ausdauernd mit sich selbst und z.B. einer Eisenbahn beschäftigen. Wie sinnvoll oder sinnlos das ist, wage ich nicht zu bewerten. Denn schließlich spielt der Mann eine Art Schöpfungsgeschichte. Niemand, der es nicht selbst schon mal getan hat, kann nachvollziehen, wie es ist, der Gott auf seiner Platte zu sein.
Festzulegen, welcher Baum wo steht und in welchem Winkel Häuser zueinander. Geschweige vom Schienenverlauf zu sprechen. So spielt der Mann irgendwie Gott. Wenn man sich die Wirklichkeit anschaut, erkennt man zwar genau den Unterschied vom Original zur Kopie, aber was soll es . Was sonst hält einen Menschen 50 bis 60 Jahre in einem Keller.
Würde das Frauen passieren, würden wir sicher von einem Verbrechen aus gehen. Und wären empört, in welchen Zu- und Umständen da gelebt werden musste. Für Männer sieht das ganz anders aus. Die gehen da freiwillig runter und rein und bleiben da. Gerne. Freiwillig. Mit Loks, Gleisen und Weichen. Mit Figuren, Bäumen und Zäunen. Häusern, Bergen und Tunneln. Mit Klebstoff und anderem nützlichen Werkzeug.
Mal abgesehen davon, ist das doch ein weiterer Beweis dafür, wie wenig Männer eigentlich wirklich brauchen, um restlos glücklich sein zu können. Der Mann ist von Haus aus genügsam.
Ich würde sagen spartanisch. Erst durch die Gegenwart von Frauen knallt er vollends durch. Was er alles in Bewegung setzt, um Frauen zu beeindrucken - unglaublich. Wie sähe die Welt wohl aus, wenn es dieses Gehabe und Getue nicht gäbe.
Sie wäre sicher ärmer an männlichem Wahnsinn und Größenwahnsinn. An alle dem, was Männer eben so tun und haben, um Frauen zu gefallen. Aber sie wäre sicher reicher an ausgeglichenen Männern, die den Ball wirklich mal flach halten könnten.
Montag, 23. März 2009
Der Fortschritt: Es fährt ein Zug nach Irgendwo
Freitag, 13. Februar 2009
Du kannst nicht mit Geld umgehen
Es ist so wie mit dem Rot- und Weißwein und dem Fisch und Fleisch. Das ist ebenso ein völliger Blödsinn. Das hat man irgendwann mal eingeführt, damit die Menschen gleichermaßen Rot- und Weißwein trinken. Sonst hat das mit nichts zu tun. Der Mensch braucht Orientierung und diese muss so einfach sein, wie es geht. Damit es auch wirklich der Letzte versteht.
Deshalb sind schöne Menschen auch immer blöd. Obwohl man nicht sagt, dass hässliche Menschen wenigstens schlau sind. Ebenso sind muskulöse Menschen dämlich. Aber dünne Menschen werden deshalb nicht als intelligent tituliert. Sportliche Menschen sind schlecht in Mathematik – angeblich. Dieser „Wenn-Dann“-Blödsinn hat uns wirklich weit gebracht.
So einfach ist es nicht. Und von äußerlichen Merkmalen lässt sich das alles bei weitem schon mal nicht ablesen. Ganz im Gegenteil. Und mit Blick auf unsere gesellschaftliche Situation würde ich mal klar feststellen, dass uns dieses Schubladendenken dahin katapultiert hat, wo wir heute sind.
Also lasst euch das nicht einreden. Das ist alles völliger Blödsinn. Man kann etwas, weil man es kann – fertig. Und man kann etwas nicht, weil man es nicht will. Das muss man akzeptieren. Aber wirklich zu glauben, dass Äußerlichkeiten darüber Aufschluss geben, was Menschen können oder nicht, ist dumm und absurd, und stellt die Realität auf den Kopf. Und spiegelt die Wirklichkeit nicht wieder. Allein der Satz "Du kannst nicht..." sollte einem zu denken geben und Ansporn sein. Wie, ich kann nicht? Das wollen wir ja mal sehen.
Donnerstag, 5. Februar 2009
Und plötzlich
Im Leben wird versucht, alles zu kontrollieren, aber wenn das „plötzlich“ eintritt, dann ist von der Kontrolle nichts mehr zu sehen. Der Teil des Lebens, den wir glauben zu kontrollieren, ist so verschwindend klein, dass es sich eigentlich nicht lohnt, unbedingt zu versuchen, die Kontrolle über alles für sich zu gewinnen. Zudem ist ein Leben unter Kontrolle kein sehr fantasiereiches, spontanes, impulsives, intuitives und lebendiges Leben. Es ist weit mehr ein Leben in Angst, die Kontrolle zu verlieren, die man ohnehin nicht hat.
Diese Angst vor dem Kontrollverlust macht aus Menschen eigenartige Individuen. Die Klaviatur des Lebens ist bei solchen Menschen sehr klein, eingeschränkt und eintönig. Das wenige ist oft begleitet von einer Art Perfektion. Die aber nicht dem Ergebnis in der Sache dient, sondern dem selbst empfundenen Kontrollverlangen. Sich selbst kontrollieren, die Dinge kontrollieren wollen und die schlimmste Form, Menschen kontrollieren zu müssen. Alle Formen sind weit verbreitet in unserer Gesellschaft. Und die meisten selbsternannten Perfektionisten haben wie gesagt mit der Sache nichts am Hut, sondern weitaus mehr mit der Angst, etwas könnte außer Kontrolle geraten.
Es ist eine Frage des Lebensweges, wie man mit diesem Thema umgeht. Wer auf seinem Lebensweg häufig, willkürlich und heftig Begegnungen mit „außer Kontrolle“ gehabt hat, der wird einen gänzlich anderen Umgang damit pflegen als Menschen, für die "außer Kontrolle" jede Kleinigkeit ist, die nicht an ihrem Platz vorzufinden war. Menschen, die jede Änderung und Veränderung an den Rand einer mittelprächtigen Panik bringen.
Der Umgang mit Kontrolle und Kontrollverlust wird einem ja auch nicht beigebracht oder erklärt. Die meisten Menschen gehen mit diesem Gefühl sehr einsam durchs Leben. Dabei wäre eine Veränderung so leicht. Man muss nur das Gegenteil von Kontrolle in sein Leben lassen. Das bringt die falsch verstandene Kontrolle ganz gut ins Gleichgewicht.
Dienstag, 20. Januar 2009
Alle
Ich bin kein „Alle“-Mensch. Nein ganz und gar nicht. Ich bin ein „Ich“-Mensch. Aber ich kenne viele „Alle“-Menschen. Die tagein tagaus und sogar Nachts versuchen, allen und allem gerecht zu werden. Und obwohl sie wissen, dass sie selbst dabei komplett auf der Strecke bleiben, können sie nicht anders.
Der Druck steigt. Die unerfüllten Listen werden länger und länger. Die persönliche Enttäuschung steigt und steigt. Was für ein Leben? Schmerzhaft. Der ständige Versuch allen und allem gerecht zu werden und sich dabei selbst völlig zu vernachlässigen. Nur auf die Zustimmung und Anerkennung der Anderen zu hoffen.
Oftmals geraten solche Menschen in eine grausame Abhängigkeit. Von Menschen, die längst rausbekommen haben, was man bei anderen Menschen mit dem Auslösen eines schlechten Gewissens alles bewirken kann, vor allem für sich selbst, den eigenen Vorteil.
Diese „Alle“-Menschen müsste man eigentlich unter einen besonderen Schutz stellen, denn sie sind prädestiniert dafür, ein Leben lang ausgenutzt zu werden. Und ein Leben lang mit dem Gefühl zu leben, nicht gut genug zu sein. Brutal.
Mittwoch, 19. November 2008
Demokratie
Erinnern Sie sich noch? Alle Gewalt geht vom Volke aus. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Der Abgeordnete ist nur seinem Gewissen verantwortlich. Alle Deutschen haben das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen. Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
Das fällt mir gerade ein, als ich in der Tagesschau sehe, wie ein paar der gerade in Berlin anwesenden politischen Vertreter ausbaldowern, dass sie dem angeschlagenen Autobauer Opel, der zu General Motors gehört, mit meinen Steuergeldern unter die Arme greifen wollen. Hallo? Meine Stimme habt ihr dafür nicht.
Wenn ein amerikanischer Autobauer die Produktlinie in Deutschland bestimmt und jahrelang Autos baut, die der Markt nicht kauft, ist es auch keine Lösung, wenn dies jetzt mit meinen Steuergeldern zwangsweise nachgeholt wird. Das rettet auch keinen der 26.000 verbliebenen Arbeitsplätze in Deutschland. Keinen einzigen. Im Gegenteil. Wie wir gelernt haben, ist es viel sinnvoller die Unternehmen vom Markt gehen zu lassen, die vom Verbraucher nicht angenommen werden. Außer vielleicht es wäre ein meritorisches Gut, was man bei Opel beim besten Willen nicht behaupten kann.
Ich wäre hingegen dafür, dem einzelnen Verbraucher viel mehr Netto von seinem selbst verdienten Brutto zu belassen. Sich stark zu machen für den kleinen Selbstständigen, den mittelständischen Unternehmer, den Handwerksmeister und den so genannten Mittelstand, weil das die sind, die hier den Großteil des Wohlstandes erwirtschaften und die, die die Mehrzahl der Arbeitsplätze schaffen. Das Geld, das jetzt Opel in den Rachen geschleudert wird, landet mit 100%-iger Sicherheit sowieso auf irgendeinem obskuren Konto von GM. Hallo? Meine Stimme habt ihr dafür nicht.
Meine Stimme hättet ihr, würdet ihr euch auf die eigentlichen politischen Aufgaben besinnen und nicht nur auf die Wählerstimmen des nächsten Herbstes schielen. Leider habe ich einen ganz anderen Eindruck.
Was also tun? Mich einreihen in die gute Hälfte der Verweigerer, die sich offensichtlich sagen, da kann man sowieso nichts machen. Was soll ich wählen gehen? Nein. Weil es eine ganz andere Lösung gibt. Eine einfache, eine geniale. Wir in Bayern haben es dieses Jahr rein zufällig entdeckt. Das demokratische Geheimnis.
Stellen Sie sich einfach im nächsten Herbst die Frage: „Fühlen Sie sich von unseren Berliner Vertretern vertreten?“ Wenn ja, machen Sie das, was Sie immer machen. Aber wenn nicht?
Dann wählen Sie einfach eine der Parteien, die bisher noch nicht im Bundestag vertreten waren. Egal, wie sie heißt, Hauptsache, sie hat bisher noch nicht mitgespielt. Ganz plötzlich fangen alle politischen Vertreter ganz hektisch an, uns zu vertreten. Wenn sie merken, es geht an ihre Pfründe, dann interessiert sie plötzlich der Wählerwille und sie fragen sich, was der Souverän denn eigentlich will. Dann beginnt sich in all dem Heulen und Zähneklappern der Ex-Etablierten tatsächlich so etwas, wie ein kleines Pflänzchen Demokratie auszubreiten.
Leute, wenn das sogar in Bayern möglich war, was schaffen wir dann erst nächstes Jahr in Berlin?
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