Montag, 14. Mai 2012
Montag, 30. April 2012
Das herrliche Knacken ist zurück.
Nach gefühlten 25 Jahren ist ein alter Bekannter «Der Schallplattenspieler» wieder bei mir eingezogen. Nach dieser sehr langen Zeitspanne, in welcher der Convenience-Gedanke stark im Vordergrund stand, kehrt nun wieder die Musik zurück in den Mittelpunkt meines Interesses. Ich komme wieder dahin zurück, wo alles anfing.
Ob ich nun 100.000 Titel oder nicht auf einer Festplatte habe, von wo aus ich per WLAN, Bluetooth, Ethernet, über iPhone, iPad, iCloud, MacBook iMac etc. überall Musik hören kann, hat mich zunehmend gelangweilt und immer weniger interessiert. Mir ist aufgefallen, dass ich immer weniger Musik gehört habe. Immer häufiger habe ich ab- und aus- geschaltet. Das ständige Gedudel, vor allem von schlechter Musik, ging mir gehörig auf die Nerven. Das ist wie in einem Steakhaus, in dem zu einem Superpreis «All you can eat» angeboten wird, man selbst ist aber Vegetarier. Die Musik wurde zudem nicht besser, sondern nur die technischen Anwendungen drum herum. Eigentlich höre ich zu 80% noch immer dieselbe Musik wie vor 25 Jahren. Da ist nicht viel Neues und Gutes dazu gekommen.
Das ist alles so, als ob es in deinem Lieblingslokal nun Online-Booking über die Webseite gibt und WLAN und die Tageskarte per PDF und eine Webcam aus dem Lokal und ein IPad auf der Toilette und das Gericht des Tages per SMS, die Rechnung per Bluetooth, die Wetterapp auf deren Webseite, ... Das ist ja alles nett und sicher fortschrittlich. Aber eigentlich geht es mir in meinem Lieblingsrestaurant um das gute Lebensgefühl. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Umgeben von den richtigen Menschen. Einfach gutes Essen in einem kulturellen Umfeld, das meiner Person entspricht. Und da zählt der bekannte Kellner, der Lieblingsplatz, der schöne Ausblick, die lieben Bekannten - mehr, als alles andere. Das man ankommt an einem Ort, an dem man sich sehr wohl fühlt. Das ist und bleibt so. So schön die schöne neue Welt auch ist, der Primärnutzen bleibt davon letztendlich unberührt. Das wird einem im Laufe der Zeit bewusst.
Die Technik hat sich in den Vordergrund gemogelt. Und nicht die Musik. Die Convenience Argumente haben mich eine Zeit begeistert und begleitet, aber am Ende geht es mir dann doch um die Musik. Die intensive Zeit mit guter Musik.
Und die Musik braucht meine ganze Aufmerksamkeit, eine Schallplattenlänge mindestens Zeit und einen Ort der zum Musikhören geeignet ist. Gute Musik braucht nur einen guten Zuhörer. Der Musik selbst ist es dabei völlig egal, woher sie kommt, wie sie klingt. Das ist Sache des Hörers. Das ist Sache der persönlichen Kultur. Trinkt man aus dem Glas lieber als aus dem Becher?
Ich wollte wieder „richtig“ Musik hören. Nicht viel, sondern gut. Nicht überall, sondern genau an diesem Ort. Nicht alles, sondern nur das Wenige besonders Gute. Nur Musik und ich. Keine Ablenkung, keine Technik zu viel. Kein Convenience.
Zeit nehmen. Aufstehen, hingehen, Platten aussuchen. Vorfreude empfinden. Schallplatte raus holen. Auf den Plattenteller legen. Von Staubkörnchen befreien. Nadel absenken. Mein Lieblingsknistern vernehmen. Hinsetzen und umhüllt von bezaubernder Musik genießen. Nicht mehr und nicht weniger.
Zur Zeit habe ich nur ein paar Platten. Aber die haben es in sich. An denen kann ich mich gar nicht satt hören. Die kleine Auswahl ist wohltuend, das ist wie die Tageskarte in einem guten Restaurant: Fisch oder Fleisch? Wenn Fisch dann... Das war´s. Weniger ist eben dann doch meist mehr.
Es fällt mir schwer zu beschreiben, was ich wiedergetroffen habe. Was wieder bei mir eingezogen ist. Vielleicht ein sehr guter alter Freund, den ich lange nicht gesehen und gehört hatte und er hat alle seine guten Erinnerungen und Geschichten mitgebracht. Wunderbar. Analog. Echt. Authentisch. Warm. Wohltuend. Sensibel. Wohlklingend.
Ich habe den Ort, den Moment und das Gefühl zurück, was ich so lange vermisst hatte, ohne das ich wusste, was ich vermisst habe. Nun weiß ich es. Die Musik. Nichts als die Musik.
Montag, 23. April 2012
Frei. Freiheit. Freiheiten.
Im Laufe meines Lebens wird mir erst bewusst und klar, was Freiheit überhaupt für mich bedeutet. Für mich persönlich. Der Begriff ist so politisch belegt, dass ich mir lange gar keine persönlichen Gedanken darüber gemacht habe. Die Politik will Freiheit. Freiheit erhalten. Freiheit erringen. Freiheit erzielen. Freiheit verteidigen. Was sie damit genau meint, bleibt eigentlich unklar. Es gibt z.B. Pressefreiheit. Die Formen der politischen Freiheit schaffen mir den Rahmen für meine persönlichen Freiheiten.
Aber die wichtigsten persönlichen Freiheiten bleiben sogar von den politischen weitestgehend unberührt. Die meisten persönlichen Freiheiten bleiben sogar weitestgehend unberührt und ungenutzt.
Persönliche Freiheiten sind eigentlich darauf beschränkt und begrenzt, was man im Rahmen der Gesetzgebung darf. Und im Rahmen von Moral und Ethik. Wir haben die Freiheit, so schnell Auto zu fahren, wie wir wollen. Wir haben die Freiheit zu wählen. Wie haben die Freiheit zu entscheiden. Wir haben die Meinungsfreiheit und derer unzähliger mehr.
Dabei ist Freiheit vor allem ein Gefühl. Wie Sicherheit. Und Liebe. Das Gefühl bestimmt die gelebte Freiheit. Das bedeutet, dass man sich sogar im Gefängnis frei fühlen kann. Freiheit ist vor allem im Kopf. Und Freiheit ist kein Selbstbedienungsladen, in dem man sich die Taschen voll packt, bis jemand stopp sagt. Freiheit ist nicht was man macht, sondern sich die Freiheit zu nehmen, vieles bewusst nicht zu machen.
Unsere wirkliche Freiheit ist eigentlich durch unser Verhalten immer in Gefahr. Vor allem Angst raubt uns das gute Gefühl von Freiheit. Schuld steht dem in nichts nach. Vor allem das Schuldgefühl. Wir sehen, leben und nutzen Freiheiten nicht, weil uns negative Gefühle davon abhalten.
Die gedankliche Freiheit ist die wichtigste und schönste. Die Freiheit wahrhaftig, authentisch, man selbst zu sein. Es sind die vielen kleinen Freiheiten des Tages, die das Leben zu etwas ganz besonders Wundervollem machen.
Für Menschen, die aber in hierarchischem Denk-System groß geworden sind wie ich, ist das mit den persönlichen Freiheiten nicht so einfach. Das muss man wie laufen lernen, erst erlernen. Denn vor meiner Freiheit stehen gesellschaftliche Aspekte wie Pflicht, Gehorsam, Folgen, Befehlen, Anordnen, Verfügen, Anweisen, Verpflichten, Bewerten, Anpassen, Funktionieren, Prüfungen, Leistung, Nachweis, Beweis, Anspruch, Gesetze, Regeln, Ordnung. Die sogenannten Bürgerpflichten. Und die darin bestehenden und gewachsenen systemimmanent hierarchischen Strukturen. Das bedeutet, deren Freiheit gehen solange vor, bis ich an der Reihe bin. Eine Art Befehlskette der persönlichen Freiheit.
Da ich überhaupt nicht in hierarchischen Systemen denken und handeln kann, kam ich in diesen auch nie zurecht. Der Gedanke allein, ich ich würde in einem Konzern arbeiten oder in einem Amt oder in einem anderen hierarchischen System treibt mir schon den Schweiß auf die Stirn. Das ein System über meine Freiheit entscheidet. Wann die dran ist. Wie ich diese auszuüben haben. Das alles kann ich psychisch nicht ertragen und körperlich nicht bewältigen.
Meine Versuche auch in solchen Systemen erfolgreich zu sein, sind gescheitert. Diese haben mich zudem krank gemacht. Ich bekam eine Neurodermitis, Magen-Probleme und war cholerisch. Und einige andere Nebenwirkungen mehr. Gerne wäre ich in einem dieser großen Systeme größer geworden. Aber es war schnell klar, dass dieses Unterfangen für beide Seiten nicht sinnvoll wäre.
Meine Vorstellung nach persönlicher Freiheit. Mein Wunsch nach Selbstbestimmung. Meine Sehnsucht nach der Freiheit der Gedanken. Für alles das ist in hierarchischen Systemen kein Platz. Aus gutem Grund.
Aber es brauchte Jahre bis ich meine Programmierung erkannte. Bis ich diese in Frage stellte und wirklich anfing meine Wünsche auch in meinem Mittelpunkt zu stellen. Eigentlich habe ich erst in den letzten Jahren begriffen, was persönliche Freiheit überhaupt bedeuten könnte. Erst in den letzten Jahren habe ich wirklich ernsthaft angefangen, Freiheit wirklich zu wagen.
Das viel mir nicht leicht. Denn das System in meinem Kopf, wie man in dieser Gesellschaft zu funktionieren hat. Wie man Anerkennung, Status, Geltung und Bewunderung erhält. Liegt wirklich diametral dem gegenüber was ich nun Schritt für Schritt erlebe.
Ich lerne die vielen kleinen Freiheiten zu leben. Die mir das Gefühl einer sehr großen persönlichen Freiheit vermitteln. Und meine Gehversuche sind manchmal wirklich komisch. Das ist so, als ob man 20 Jahre in einer Zelle genau 4 Meter x 3 Meter als Bewegungsfreiheit hatte und nun steht man in Freiheit und man hat das Gefühl,wenn ich nur einen Meter weiter als diese gewohnten 4 Meter gehe, dann passiert was Schreckliches.
Ich habe es heute Morgen z.B. nicht geschafft zu frühstücken. Bin aber trotzdem pünktlich im Büro gewesen. Dann habe ich mir gedacht. Spinnst du? Das Frühstück ist wichtig. Es gibt dir Energie für den Tag. Also, du gehst jetzt in ein Café bestellst dir ein Frühstück und dann gehst du ins Büro. Ich kann mir diese Freiheit auf Grund meiner Lebenssituation nehmen. Aber ich traue es mir eigentlich im weit überwiegenden Teil meines Lebens nicht. Ich verhalte mich wie ein Mini-Konzern.
Was besonders bescheuert ist. Denn der Gewinn meiner Lebensform ist die Freiheit. Denn dafür muss ich einen Totalverlust an Sicherheit in Kauf nehmen und verkraften. Das kann ich komischerweise seit 20 Jahren ohne Problem. Selten weiss ich, womit ich in 2 oder 4 Monaten mein Geld verdiene. Aber es hat immer irgendwie funktioniert in den letzten 20 Jahren. Da habe ich ein Urvertrauen. Das es immer irgendwie schon gut weiter geht.
Aber gleichzeitig lebe und nutze ich den emotionalen Gewinn meiner Lebensform nicht. Falsch! Habe ich nicht genutzt. Seit einiger Zeit lerne ich, diesen zu nutzen. Ich gehe einfach mal eine Stunde früher aus dem Büro und gehe joggen. Ich verplappere mich im Café und bleibe einfach mal eine Stunde länger sitzen. Während der Arbeitszeit nehme ich mir Auszeiten und höre Jazz. Schreibe. Lese. Surfe im Internet. Ich suche und finde alles mögliche. Ich interessiere mich. Und folge diesen Interessen.
Meine Definition von Produktivität hat sich geändert. Der Faktor persönliche Freiheit verändert diesen sehr stark und sehr positiv. Mein Betriebsmodus ist von reinem Output umgestellt worden auf 50% Input und 50% Output. Die am Anfang beschriebene Befehlskette geht nun nicht mehr nur von meiner Umwelt aus, sondern mehr und mehr von mir. Aktiv.
Ich lerne persönliche Freiheiten wirklich zu erkennen, umzusetzen und wertzuschätzen. Und das Großartigste daran, alles wird noch besser. Irgendwie bringt die Fähigkeit zur Selbstbestimmtheit nur Positives mit sich. In allen Bereichen des Lebens. Magisch. Es ist wirklich magisch.
Ich lerne meine Freiheit als die wichtigste und wesentliche zu betrachten und plötzlich verändert sich alles, so wie ich es eigentlich immer wollte. Aber nie hin bekommen habe. Ich komme mir selbst immer näher und näher. Ein guter und schöner Weg, den ich da beschreiten darf und kann. Danke.
Freitag, 20. April 2012
Lebenswege. Vom fahren, überholen, bremsen, abbiegen und verfahren.
Irgendwann biegen wir plötzlich ein in diese Straße. Das Auto voller Menschen. Wir am Steuer. Eine neue, andere Straße. Ein neuer Lebensweg. Lebensabschnitt. Einige wollen und müssen hier aussteigen. Weiter geht die Fahrt. Dann ahnen wir, es könnte sich eventuell um eine Einbahnstraße handeln. Aus dem könnte, wird langsam ein wissen. Wir bemerken es natürlich nicht gleich. Denn gerade noch fuhren wir auf einer dieser breiten mehrspurigen Hauptstraßen. Was hat uns bewogen, abzubiegen. War es uns zu voll. Wollten wir eine Abkürzung nehmen? Irgendwas war es. Man hat es nur schnell vergessen. Weil dieser neue Weg einem die volle Aufmerksamkeit abverlangt. Eigentlich war es auf der großen, breiten, hellen Hauptstraße viel angenehmer. Das wird einem aber erst bewusst, wenn man mal auf so eine kleine Nebenstraße abgebogen ist. Aber diese wird doch sicherlich zu einer anderen Hauptstraße führen oder zu derselben, von der man kam. Wir rechnen auch damit, dass es sicher gleich rechts oder links wieder raus geht. Aber da kommen keine Straßen. Komisch. Dann fällt uns auf, dass die Autos rechts wie links in dieselbe Richtung parken. Auch die Beschilderung ist nur in Fahrtrichtung ersichtlich. Wir gewinnen die Gewissheit:«Das ist eine Einbahnstraße.» Okay. Das kann ja mal passieren. Ist ja nicht so schlimm, diese führt am Ende ja wieder auf eine andere Straße. Seit einiger Zeit fahren wir nicht mehr entspannt und gelassen, sondern nervös und gehetzt. Jetzt sind wir schon so weit gefahren, dass wir nicht mehr einfach zurück setzen können. Umdrehen in einer Einbahnstraße geht ja auch nicht. Darum werden wir immer hektischer und hoffen inständig, dass am Ende der Einbahnstraße es wieder auf ein andere Straße geht. Es muss so sein. Eventuell auf eine Kreuzung. Kann auch eine kleine sein. Hauptsache raus aus der Einbahnstraße. Aber die Straße wird zunehmend enger und enger. Dunkler. Und die Häuserfluchten höher. Die Wohngegend wird übler. Beängstigend. Nun parken nur noch auf der rechten Seite Autos. Schon bald, parken gar keine Autos mehr in der Straße. Panik kommt auf, das Herz rast, man spürt den Puls im Hals schlagen.Der Blick nach vorne verheisst nichts Gutes. Gar nichts Gutes. Nach diesem langen Weg. Plötzlich sind auch die Gehwege verschwunden. Die Straße endet hier. Schluss. Es geht nicht vor und zurück. Sie ist genau so breit wie das Auto. Die Türen lassen sich nicht mehr öffnen. Wir hupen. Wir rufen. Nichts. Die Spritanzeige leuchtet auch schon seit einiger Zeit. Kein Handy-Empfang. Nichts.
Und dann versuchen wir uns zu erinnern. Dafür müssen wir uns erst mal beruhigen. Was uns kaum gelingt. Wir waren auf so einem guten Lebensweg. Was um Gottes Willen hat uns bewogen abzubiegen? Gottes Willen? Warum? Wann sind wir in diese Straße abgebogen und warum. Sind wir überhaupt abgebogen, mussten wir? Was waren die Beweggründe? Der Grund. Verdammt was war der Grund. In Gedanken gelangen wir zu genau dieser Kreuzung zurück. Und dann sehen wir, was wir übersehen haben - Das Schild: Sackgasse. Fuck.
Mittwoch, 4. April 2012
Ich schlafe mit jungen Frauen.

Jetzt ist es raus. Jeden Tag. Fast. Nicht am Wochenende. Morgens und Abends. Im Schnitt 2 x am Tag. Dann schlafe ich mit wechselnden jungen Frauen. Selten, dass es 2 x dieselbe ist. Und ich kann nichts dagegen tun. Auch wenn ich wollte. Die einen denken jetzt: «Wie kann er das nur tun in seiner Lebenssituation?» Andere denken sich jetzt: «Recht hat er, du lebst nur einmal! »
Ich kann nur sagen: «Dagegen kann ich nichts machen. Auch wenn ich wollte. Da bin ich machtlos. Ich muss mit jungen Frauen schlafen. Ob ich will oder nicht.» Okay, ich könnte sie wecken. Aber das macht man Morgens und Abends doch nicht im Zug. Einfach aufwecken. Da ziehe ich es vor, mit ihnen zu schlafen. Obwohl ich selbst dabei nicht schlafe. Kein Auge kann ich zumachen. Manchmal schlafe ich auch mit Männern. Mit älteren Frauen. Ich schlafe mit allen, die schlafen. Im Zug schlafen viele Menschen. Kaum sitzen sie, schlafen sie ein.
Oft sieht das unmöglich aus. Vor allem bei Männern. Die röcheln, schnarchen und sehen übel dabei aus. Oft stinken sie auch noch. Schlafende Männer im Zug sind kaum zu ertragen. Schlafende Frauen dabei wesentlich besser. Nicht alle. Aber wenn junge, hübsche Frauen ihren Kopf an das Zugfenster gelegt haben und so vor sich hin schlafen, dann hat das was Friedliches und bisweilen auch Erotisches. Wenn sich das zweite Gefühl einschleicht, dann setze ich mir meine Kopfhörer auf und höre Musik oder lenke mich anderweitig ab.
Das Aufwachen oder die Ticketkontrolle sind bei diesem Akt im Zug besondere Momente. Denn dann erkennt man viel vom dem Typ Mensch. Menschen, die aus dem Schlaf gerissen werden, um ihr Ticket vorzuzeigen, zeigen dabei sehr persönliche Eigenarten. Auch wenn es an das Aussteigen geht. Das Beobachten dieser Persönlichkeitsmerkmale macht einen irgendwie zum Spanner. Was heisst irgendwie. Aber was soll man den tun, wenn jemand nur Zentimeter von einem entfernt aufwacht. Wie soll man da weg schauen. Es nicht bemerken. Das ist fast unmöglich.
Ich schlafe nicht im Zug. Meine Energie ist auf 220 Volt. Morgens, Mittags und Abends. Es verwundert mich, wie viele Menschen sofort in Stand By Stellung verfallen. Wie der wenige Energiehaushalt, sofort auf Niedrigverbrauch-Modus umstellt und diese Menschen in den Schlaf fallen lässt. Was strengt so an, dass man in der ersten Ruhestellung fast ohnmächtig weg schlummert?
Egal, so lange ich Zug fahre, muss ich mich eben daran gewöhnen, mit fremden Menschen zu schlafen. Es gibt schlimmeres. Schlimmer wäre es sicherlich, wenn alle so wach wären, wie ich. Oh mein Gott und das schon morgens, das wäre unerträglich. Moment mal, da kommt mir ein Gedanke. Vielleicht schlafen die ja gar nicht, sondern die stellen sich nur schlafend bei meinem Anblick.
Montag, 2. April 2012
Nicht lange her.

Da hat man noch aus dem Radio auf Kassetten aufgenommen und ist verrückt geworden, wenn der Ansager kurz vor Ende des Songs reingequatscht hat. Dann war die ganze Aufnahme für´n Arsch. Zurück spulen und auf den nächsten Song warten.
Da haben wir auch noch die B-Seite von Schallplatten gehört. Obwohl bei manchen nie. Vor allem bei Singles. Oder weiss jemand was auf der B Seite von „Bobby Brown“ war?
Da haben wir Brieffreundschaften mit einem Mädchen aus Frankreich gehabt. Und so haben wir uns alle 6 bis 8 Wochen einen handschriftlichen Brief geschrieben. Isabelle Labonde hieß meine.
Da hatte das Telefon eine Wählscheibe, war an der Leine und die Eltern machten ein Schloss daran, damit es nicht so teuer wurde. Und daneben lag das obligatorische Kunstleder-Telefonverzeichnis.
Da holte man das Telefonbuch noch selbst bei der Post ab. Und schlug sofort seinen eigenen Namen auf und betrachtete den Eintrag voller Stolz.
Da hatte das Fernsehen 3 Sender. Und keinem viel auf, dass dies wenig sein könnte. Der Höhepunkt der Woche war eine Sendung Namens „Disco“ und alle riefen mit wenn er schrie: „Licht aus...wommm...Spot an...“
Da sprach man Montags über Dalli Dalli, Am Laufenden Band, Der große Preis und wie sie alle hießen.
Da durfte man beim Fußball zum Torwart zurück passen. Da spielten nur die Landesmeister auch im Landesmeister Pokal.
Da wusste kaum jemand, was eine Mango, Papaya, Kiwi und Litschi war. Ich schon gar nicht.
Da stand im Kühlschrank Tri-Trop und Cappy. Man aß Raider und Treets Schokoklicker.
Da gab es im Fernsehen Werbung für Zigaretten. Und es wurde in jeder Sendung geraucht. Und in jedem Film. Und im Auto und im Zug und im Flugzeug und im Restaurant und überall, wo ein Mensch und eine Zigarette reinpassten.
Da waren Ehepaare, die geschieden waren eine absolute Seltenheit. Frauen, die einer Arbeit nachgingen, auch. An Frauen in Führungspositionen kann ich mich gar nicht erinnern.
Da war die einzige nackte weibliche Haut, die man zu sehen bekam in der Brigitte, Petra und für Sie. Wenn man das Glück hatte, dass es um Unterwäsche ging. Schlüpfer wie meine Mutter dazu sagte.
Da machte der erste MC Donald in Deutschland auf und der erste IKEA. Dem Wienerwald ging es schon damals den Umständen entsprechend nicht so gut.
Da hat man sich Bundestagsreden im Fernsehen angesehen, in Schwarz/Weiß. Obwohl der Rest der Welt schon bunt war. Und die Politiker hatten etwas zu sagen und sich gegenseitig auch.
Da gingen alle paar Monate gefühlte Millionen auf die Straße demonstrieren. Gegen alles das, was nun wirklich nicht sein musste.
Da starben Elvis und John Lennon. Und Jim Morrison. Und ein wenig später Freddy Mercury. Nein, das war deutlich später.
Da haben Fussballtrainer am Spielfeldrand geraucht. Spieler in der Halbzeitpause auch.
Da waren unsere Eltern noch so unglaublich jung. Jünger als wir jetzt sind. Da waren wir noch Kinder. So alt wie unsere Kinder jetzt sind. Das aktuelle Sportstudio gab es damals schon. Und die Torwand war schon damals einer der Höhepunkte. Aber alle waren so unglaublich jung. Und die Jungen, die es jetzt gibt, die gab es da noch gar nicht. Natürlich.
Aber manchmal wundere ich mich, wen und was die jungen Menschen alles überhaupt nicht kennen. Wahnsinn denke ich dann, wie kann man das nicht wissen. Bis mir dann einleuchtet - wie denn auch.
Freitag, 30. März 2012
Zerreißprobe
Vater. Vater sein. Meine Gedanken und Gefühle sind fast ständig bei meinen Kindern. Und jede Trennung empfinde ich als Opfer. Neid und Eifersucht kommt in mir auf, wenn sich meine Kinder ohne mich amüsieren. Ständig muss man seine Kinder abgeben und teilen. Mit anderen teilen. Immer weniger verweilen sie in meiner direkten Nähe.
Und dann die Arbeitswelt. Diese vielen Stunden, in denen man ganz woanders ist. Diese viele Zeit, die man nicht gemeinsam erleben kann. Nicht gemeinsam genießen. Nicht mal gemeinsam langweilen, ärgern oder streiten.
Dabei ist das Leben nur ein Wimpernschlag. Kaum ist es da, ist es auch schon wieder vorbei. Und die gemeinsame Zeit mit Menschen, die wir lieben, ist so unglaublich kurz bemessen und noch kostbarer.
Wie machen die das - in den Meetings? Meine Gedanken schweifen so oft ab. Hin zum Lächeln meiner Kinder. Was sie jetzt wohl gerade tun? Die Bilder der letzten Tage noch einmal vergegenwärtigen. Die gemeinsamen Pläne für die nahe Zukunft in Gedanken noch einmal durchgehen.
Meine Gefühle sind wie schwere Ankerleinen mit meinen Kindern verbunden. Jede Trennung bedeutet, Leinen los. Und oft Leinen kappen. Ich bin dann immer heil froh und überglücklich, wieder da zu sein. Zusammen zu sein. Ich drücke das sicher nicht so aus. Denn die würden sicher denken, der Alte hat wohl einen Knall. Wenn meine Kinder wüssten, wie sehr ich mit ihnen verbunden bin. Und wie sehr mich ihre Enttäuschung schmerzt. Wie sehr mich ihre Schmerzen quälen. Wie unerträglich Ungerechtigkeit ist, die sie erleiden müssen. Und wie stolz ich jede Sekunde bin.
Es ist eine Sucht. Eine echte Abhängigkeit. Die Gesundheit, das Glück, die Zufriedenheit meiner Kinder mit zu erleben, ist das Zentrum meines Lebens.
Ich hatte ein anderes Leben ohne Kinder. Sicher werde ich auch wieder ein anderes Leben auch mit Kindern haben. Aber jetzt wundere ich mich über diese vielen Väter, die ständig von ihren Kindern getrennt sind. Wie sie das bloß ertragen? Einige verwirren mich komplett. Das sind die Väter, die mir das Gefühl vermitteln, dass die Kinder Muttersache sind und die die Kinder bisweilen mehr belasten und anstrengen. Aus diesem Grund kommen sie lieber erst nach Hause, wenn die Kinder schon schlafen. Unglaublich. Wie kann man so unterschiedlich empfinden.
Mich zerreißt es. Jeden Tag. Jeden Augenblick. Die Ängste, es könnte was passieren und ich habe sie nicht beschützt. Die Freude, es könnte was passieren und ich habe es nicht miterlebt. Sie nicht trösten zu können und ihnen nicht Anerkennung zu Teil werden lassen.
Ich will eigentlich jeden Moment mit meinen Kindern auskosten. Aber das weltliche Leben hält mich davon ab. So ziehe ich jeden Tag los - weg. Und meine Kinder machen das auch schon. Und wie Kometen in der Umlaufbahn zu einem Planten, die sich langsam und langsam weiter und weiter entfernen. Sie kreisen zwar für immer um den Planeten, aber die Entfernung wird größer und größer.
Da hilft auch die größte Anziehungskraft nichts. Das ist ein Naturgesetz. Kinder bleiben keine Kinder. Mein Gott macht mich das traurig. Vor allem, dass es bald schon vorbei ist und ich nicht jeden Moment habe voll genießen können.
Wie halten das nur die Anderen aus. Quält die das genau so wie mich? Ich kann nichts erkennen. Verdammt ich kann nichts erkennen. Und da sitzen wir in unserer wichtigen Welt mit unseren wichtigen Themen umgeben von wichtigen Menschen und alles was mir wirklich durch den Kopf geht und nahe ist, sind die Star-Wars Sammelkarten meines Sohnes und die Schleich-Pferde-Sammlung meiner Tochter.
Wenn sich jetzt jemand fragt, wo ist die Frau bei diesen Gedanken. Keine Sorge, die ist da. Auch sehr nah. Aber das sind die Gedanken, fokussiert durch die Vater-Augen gesehen.
Montag, 26. März 2012
Montag 26. März. OMM: Open Monday Meeting. Für Dich und mich. Every nice monday.
OMM | Open Monday Meeting - Unser Thema ist deine Geschäftsentwicklung.
Christof Hintze ist in der Box [Restaurant, Bar, Café] am Gärtnerplatz 1, in 80469 München. 10.30 Uhr bis 17.30 Uhr. Einfach spontan kommen, oder per Termin-Vereinbarungen über Facebook.
Ich werde jeden schönen Montag [versuchen] in Zukunft, ab 10.30 Uhr da zu sein. Bis 17.30 Uhr. Für Menschen die mal nur eine geschäftliche Frage haben, mal sich austauschen wollen, mich treffen wollen, neue Kontakte knüpfen ... was auch immer. Einen Ansprechpartner für ihre wichtigen Fragen suchen. Eine Meinung. Reflektieren. Diskutieren. Debattieren. Rückenwind. Rückendeckung. Tipp. Ratschlag. Kritik. Orientierung.
Wer für eine Open Source Gesellschaft und Open Source Business wie ich steht, der sollte auch so kommunizieren. Damit betrete auch ich Neuland. Und öffne mein Open Office. Raus aus der sicheren Deckung des Internets. Raus aus den Konferenzzimmern der Unternehmen. Rein in die Wirklichkeit. Denn nichts ersetzt die Wirklichkeit. Ich öffne meinen Erfahrungsschatz in Sachen Geschäftsentwicklung, Beratung, Coaching, Marketing und Kommunikation. Für Menschen und Unternehmen die es verdient haben und es zu schätzen wissen.
Also, ich bin da - Montags in München im Box am Gärtnerplatz. Mal sehen was passiert. Was entsteht. Ich bin sehr neugierig und gespannt.
Die Gesprächskultur wird durch 3 zentrale Leitgedanken getragen: Wertschöpfung entsteht durch Wertschätzung. Auf neuen Wegen zu alten Zielen. Und - Die bessere Idee gewinnt.
Also, nur Mut. Ich habe den ersten Schritt gemacht, nun kannst du den Zweiten tun.
Gruß
Christof
Die nächsten Termine:
Montag der 26. März 2012: Facebook Veranstaltungs-Informationen öffnen
Montag der 16. April 2012: Facebook Veranstaltungs-Informationen öffnen
Montag der 23. April 2012: Facebook Veranstaltungs-Informationen öffnen
Montag der 30. April 2012: Facebook Veranstaltungs-Informationen öffnen
Freitag, 23. März 2012
Über Entschlossenheit und Gleichgültigkeit.

Ich bin in Köln Chorweiler zur Schule gegangen. Das sagt nur dem geneigten Kölner etwas. Nennen wir es mal einen sozialen Brennbezirk. Einen, wie es ihn in Deutschland in der Form zum Glück nur selten gibt. Der Ausländeranteil der Einwohner liegt sicher über 70 %, der in der Schule lag über 50%. Die Architektur untermauert die sozialen Spannungen. Niemand besucht Chorweiler, um sich das mal anzusehen. Man fährt nur weg, nicht hin. Wenn man kann.
In Chorweiler ist eine große Gesamtschule mit weit über 2.000 Schülern. Es gab 12 fünfte Klassen, 12 sechste Klassen und so geht es bis zur 10. Dann nimmt die Anzahl der Klassen rapide ab.
Das erzähle ich, um auf etwas hin zuweisen. Auf den Blick der Entschlossenheit. Den habe ich da kennen gelernt. Viele Menschen sind entschlossen, Dinge zu tun. Diese Art der Entschlossenheit habe ich heute Morgen zufällig wieder in den Augen von Menschen am Münchner Bahnhof gesehen. Es waren durchweg die Augen von Ausländern. In diesen erkenne ich diesen Blick. Die Einstellung zur Entschlossenheit. Es ist ein ganz besonderer Ausdruck. Der kann einem Angst machen, wenn er gegen einen selbst gerichtet ist. Hat man diesen Blick aber auf seiner Seite, dann ist das wie mächtiger Rückenwind. Ein unglaubliches Gefühl, Menschen an seiner Seite zu haben mit dieser Art von Entschlossenheit.
Bei den meisten Menschen sehe ich diesen Ausdruck nicht. Vor allem bei meinen deutschen Mitbürgern. Der Blick ist meist ausweichend, arrogant, nervös, gleichgültig und leer. Selten sehe ich in Augen, die auf mich entschlossen wirken und wenn, dann sind es meist Kinderaugen. Die haben diese Fähigkeit noch, die offensichtlich im Laufe der Zeit verloren geht.
Ich mag diese Entschlossenheit. Die hat was Anpackendes und Zupackendes. Die hilft einem wirklich. Die macht was. Die bewegt was. Die ist nicht egoistisch, träge und faul. Aber sie geht auch schon mal über Grenzen. Es ist dieselbe Entschlossenheit mit der auch Gewalt ausgeübt wird.
Eine Entschlossenheit, die über die Angst hinweg hilft. Welche die Angst überdeckt, überlagert oder gar nicht erst aufkommen lässt. Welche Schmerzen, Hindernisse oder Gefahren übersieht. Einfach bei Seite schiebt.
Trotzdem ist mir diese Entschlossenheit näher und lieber als diese Gleichgültigkeit. Man muss sie nur besser kanalisieren. In gute Bahnen führen. Positiv einsetzen und nutzen.
Dann ist Entschlossenheit eine absolut wünschenswerte Charaktereigenschaft für mich. Aber ich sehe sie nicht oft. Diese funkeln in den Augen. Dieser Blick. Die ganze Physionomie, die es ausdrückt: Ich mach das. Ich kann das. Ich will das. Wunderbar.
Es scheint eine Eigenschaft zu sein, die vor allem da vor kommt, wo die Geigen nicht im Himmel hängen und es nicht Milch und Honig regnet. Auf der Sonnenseite des Lebens trifft man nur vereinzelt auf diese Art der Entschlossenheit. Es scheint die Bereitschaft zum Ausdruck zu bringen, zum Äußersten zu gehen. Und manchmal darüber hinaus.
In München sehe ich diesen Ausdruck sehr selten, darum ist es mir heute Morgen so sehr aufgefallen - positiv.
Mittwoch, 21. März 2012
Jeweils einfach dein Bestes daraus machen.
Zum Jahrestag meine sehr eigenwilligen Gedanken über das Leben. Mein Geschenk an die Leser. An dich. Das Leben untergliedert sich in 4 Phasen.
1. Kleinkind: Abschauen
2. Jugendlich: Kopieren
3. Erwachsen werden: Anpassen
4. Erwachsen sein: Verstehen
Der schlimmste Verlust des Lebens, scheint der Verlust der Kindheit zu sein. Der Zeitraum in dem man Wagemut mit Verlustangst tauscht. In dem Berechnung die Naivität ersetzt. In dem die Gier den Neid verdrängt. In dem die Vernunft die Begeisterung in den Schatten stellt. Wenn die vielen Sonnenseiten des Lebens plötzlich Schatten bekommen, die länger und länger werden. Das ist das Leben. Genau. Das Leben ist das, was man selbst daraus macht. Dieses Selber-Machen, wird durch 4 Phasen gestaltet.
Die Erste: Das Abschauen.
Am Anfang bleibt dem Geschöpf Mensch nichts anderes übrig, als das sich abzuschauen was die Menschen in unmittelbarer Nähe ihm vormachen. Er geht davon aus, dass wenn er das gut und gründlich abschaut, er im Leben gut zurecht kommt. Dass er dann geliebt wird. Darum schaut er primär von denen besonders genau ab, denen er unerschütterliches Urvertrauen entgegen bringt. Dazu gehören leider nicht nur die schönen Dinge, sondern auch das, was der Mensch sich sonst noch abschaut. Er kann dass noch nicht auseinander halten, was man sich abschauen sollte und was besser nicht.
Die Zweite: Das Kopieren.
Nach dem Abschauen von Verhaltensweisen aller Art, tritt der Mensch in die Phase der Jugend ein. Nun möchte er gerne so sein wie die. Er möchte haben, was die anderen haben. Tragen, was man trägt. Sein, wo man ist. Nach dem Abschauen der Verhaltensweisen, kopiert der Mensch Menschen und Dinge seines jeweiligen Umfelds. Er kopiert seine Umwelt. Das, wovon er glaubt, dass er so sein will wie. Man kopiert Mode. Man kopiert Haarschnitte. Gesten. Formulierungen. Und die Kopie muss gut sein.
Die Dritte: Anpassen.
Nach der Jugend geht es in die Phase des Erwachsenwerdens. In dieser versucht sich der Mensch so gut es geht anzupassen. Zu funktionieren. Seinen Platz und seine Rolle zu finden. Über die Anpassung versucht er ein Teil der Gemeinschaft zu werden. Dem Abschauen, dem Kopieren folgt die gesellschaftliche Anpassung. Der Mensch will ein Teil im System der Erwachsenenwelt sein. Das Mittel der Anpassung scheint ein probates Mittel zu sein, um seinen Platz zu finden. Deshalb lernt der Mensch nun, sich nahtlos einzufügen. Keinen Widerstand und keine Wiedersprüche zu erzeugen. Zu gefallen. Beliebt zu sein.
Die Vierte: Verstehen
Erst in der letzten Entwicklungsphase ergibt sich die Chance, sich selbst zu verstehen. Vorraussetzung dafür ist es, das Erwachsenwerden auch erfolgreich abzuschließen. Was vielen nicht gelingt. Sie befinden sich in einer Endlos-Erkenntnislos-Schleife. Sie sind dazu verdammt, ein Leben lang durch dieselbe Drehtür der Erfahrung zu gehen. Und auf die immerselben Fragen, die immerselben falschen Antworten zu finden. Wer es aber schafft, die Treppe der Erkenntnis Stockwerk für Stockwerk hinauf zu gelangen, der tritt in das Erwachsensein ein. Nun versteht er, dass nach der Anpassung das Loslassen kommt. Um nun sich selbst als Individuum zu erkennen und zu verstehen. Und nur noch man selbst zu sein. Mit allen Vorzügen und Nachteilen. Kein Abschauen mehr. Kein Kopieren mehr. Keine Anpassung mehr. Sondern nur noch Sein.
Alle diese Sozialisierungsphasen haben ihren Hintergrund und ihre Wichtigkeit. Sie können kürzer oder länger sein. Bei dem einen oder anderen entfällt eine dieser Phase fast vollständig. Aber grundsätzlich scheint der Lebensweg diese Phasen zu durchschreiten. Ein Augenmerk sollte man auf die vierte legen. Denn in ihr wird Wichtiges plötzlich unwichtig. In ihr wird Unwichtiges plötzlich wichtig. Ziele werden verworfen. Träume zerplatzen. Neue Ziele, neue Träume nehmen ihren Platz ein. Es ist die Phase, in der sich die Menschen der Phasen 1 bis 3 an einem orientieren. Es ist die Phase in der sich Dinge ändern können. Weil die Kinder sich andere Verhaltensweisen abschauen. In der Jugendliche andere Idole, Vorbilder kopieren und der sich Heranwachsende an neu veränderte Umstände anpassen müssen.
Wenn wir die Veränderung als etwas Positives ansehen. Wenn wir dem Neuen mit Neugierde begegnen. Wenn wir Dinge zum Besseren verändern wollen. Wenn wir als Menschen, als Menschheit weiter kommen wollen. Wenn jede Generation einen Entwicklungsschritt gehen soll. Dann ist es enorm wichtig, dass die vierte Phase das vorlebt. Also, was lebst Du vor, was Dir keiner vorgelebt hat? Was kann man an Dir kopieren, was es als Vorlage zuvor nicht gab? Wie muss sich jemand anpassen, wie es das zuvor noch nicht gab? Und bereichert das alles Dein Leben? Was bringst Du mit? Was bringst Du ein? Was gibst Du weiter? Denk dran. Die Welt, so wie sie ist, kann sich nicht verändern und schon gar nicht zum Guten, wenn Du Deinen Teil zur Veränderung nicht beiträgst. Es ist ein unverzichtbarer Verlust. Es ist genau das, was der Mensch am meisten unterschätzt. Seine eigene Wirkung. Es liegt an Dir.
Montag, 19. März 2012
Über Weichteile.
Meine Wahrnehmung ist vielleicht vergleichbar mit der eines Elektronenmikroskops. Ich nehme Dinge in tausendfacher Vergrößerung wahr. Das nenne ich selektive Wahrnehmung. Wie ein Koch eine Mahlzeit nicht mehr als Ganzes wahrnehmen kann. Wie der Musiker kein Konzert mehr als Ganzes wahrnehmen kann. So geht es mir mit vielen Dingen rund um Kommunikation, Marketing, Betriebswirtschaft und Volkswirtschaft. Ich habe über die Jahre so viele Eindrücke sammeln können, dass ich vieles in unendlich kleine Details zerlegen und wieder zusammensetzen kann. Das lässt sich nicht verhindern, wenn man sich sehr aufmerksam und über lange Zeiträume hinweg mit denselben Dingen beschäftigt.
Das ist auf der einen Seite eine große Freude, weil ich vieles sehe, was andere nicht wahrnehmen können. Aber es ist auch ein ebenso großer Fluch. Denn ich kann den Betriebsmodus nicht abschalten. Ich betrachte alles in diesem Modus, und das nervt. Häufiger mein Umfeld, aber hin und wieder auch mich. Gerne würde ich die Schwächen, Stärken, Chancen und Risiken nicht sehen, sondern einfach nur das was ist und so wie es ist. Einfach. Ich wünsche mir manchmal gedankliche Einfachheit. Leere. Ruhe. Stille. Aber es geht nicht. Alles seziere, zerlege, atomisiere ich. Tiefer und tiefer. In Gedanken kann man immer tiefer in immer neuere Welten vorstoßen. Der Plot zu Raumschiff Enterprise, ist zu einem nicht geringen Teil mein gedanklicher Lebensentwurf. Nur dass meine letzte Folge noch nicht im Kasten ist.
Bei Bleistiften schreibe ich beispielsweise total gerne mit weichen Bleistiften. 4B oder besser sogar noch 6B. Das hat den Nachteil, dass die Stifte schnell verschwinden. Denn ein 6B schreibt sich schnell ab. Wesentlich schneller als ein HB. Der Vorteil überwiegt aber bei weitem. Man schreibt, als ob man mich Kohle zeichnet. Es fließt. Die Übergänge sind weich und geschmeidig. Mit einem 6B kommen die Wörter und Gedanken schöner zur Geltung. Da grenzt das Schreiben an das Malen.
Mit einem 6B kann man keine schlechten, üblen und hinterhältigen Wörter und Formulierungen schreiben. Was der OMM Writer als App für den Computer ist, ist der 6B Bleistift für das geschrieben Wort auf Papier. Ein 6B ist ein wahres Instrument, ein Schreibinstrument. Es ist das Cello. Wenn die Feder die Geige ist, dann ist der 6B Bleistift das Cello.
Wenn man schöne Wörter und Formulierungen mit einem 6B schreibt, dann ist die Vorfreude auf das Wort schon wunderbar. Und es wirkt noch schöner, als es ohnehin schon ist. Mit einem 6B wirkt fast alles Geschriebene und Skizzierte wunderbar. Weil das so ist, nehme ich oft einen 6B zur Hand. Ich habe in der Regel überall einen rumliegen und halte noch mehr in Reserve. Und das schreibt ein Nerd. Ein Internet-Entwickler, Gestalter, Konzeptioner und Macher.
Die Krönung aber ist ein Minenstift mit einer 6B Miene und einem Minenspitzer. Es ist immer noch ein Cello, aber ein besonderes - eins von Antonio Stradivari. Es ist ein Ritual, die Mine vor dem Einsatz zu spitzen. Sie muss so Spitz wie möglich sein. So spitz, dass bei der ersten leichten Berührung mit dem Blatt die Sitze ein wenig zerbröselt. Winzig. Kaum erkennbar. Nur für Menschen wie mich. Die spüren und sehen das und pusten dann leicht über das Papier.
Für den normalen Menschen und das normale Auge ist dieser Moment nicht erfahrbar. Aber für mich ist er das, und es ist einer der schönsten.
Er ist wie die Ouvertüre, es ist als ob man die Klinge des Rhetorikschwertes vor seinem Einsatz noch mal geschliffen hat. Geschliffen wie eine Rasierklinge. Geschliffen wie die sündhaft teuren und 200-fach gefalteten japanischen handgeschmiedeten Messer der Sushi-Köche. So scharf wie das Skalpell eines Chirurgen. Das geht nur mit einem solchen besonderen Schreibinstrument. Sonst mit nichts.
Die Tastatur eines MACs ist auf einem guten Weg, eine solche Verbindung abzubilden. Aber sie hat auf dem Weg einer 6B Mine gerade mal 20 Prozent des Weges geschafft. Was aber 100 Prozent mehr ist, als alles andere, was es da gibt.
Solange das noch so ist, werde ich wirklich wichtigen Dinge erst mal mit einem 6B zu Papier bringen. Gelernt habe ich das von meinem Texter-Lehrmeister. Jörg Grannemann. Er hat mir diese Kunst des 6B Stiftes zugänglich gemacht. Wie ein japanische, geheime Kampfkunst. Für das und vieles andere mehr bin ich ihm noch heute nach über 20 Jahren dankbar. Denn er war es, der mir die Türen und die Fenster zu dieser Welt geöffnet hat. Zeit mal Danke zu sagen. Danke Jörg. Und das Danke stell dir jetzt bitte geschrieben mit einem 6B auf einem feinen Fedrogonie Papier vor.
Das ist meine Art der Wahrnehmung. Und ich habe vieles noch weggelassen, damit es nicht zu langatmig wird. So habe ich die Farbe des Schreibgerätes außen vor gelassen, wie den Spitzer, die Papierbeschaffenheit, das Schreibgeräusch, den adäquaten wohlriechenden Radiergummi und anderes mehr.
Mittwoch, 18. Januar 2012
So macht man «theoretisch» gute Werbung.
Dienstag, 17. Januar 2012
Wer ans Ziel kommen will, muss gedanklich die Richtung wechseln.
Freitag, 13. Januar 2012
Glaube versetzt Märkte
Donnerstag, 12. Januar 2012
notework. 48 Merkmale die wir Ihnen nicht verheimlichen wollen.
Als PDF ansehen: Dieser Monat | Vollständiges Blog














kommentare