Kreativität ist erlernt es wird entdeckt gefördert angeboten gelebt

Es gibt rückblickend in meinem Leben kreative Momente, Begegnungen und Situationen, in denen ich „kreativ erwacht“ bin. Eine dieser ganz besonderen war: sechs Stunden Bruno Ganz als Hamlet in der Berliner Schaubühne am Lehniner Platz, 1982.

Was soll ich sagen? Rückblickend hat dieses Ereignis etwas in mir geebnet. Alles daran hat mich fasziniert. Sogar der Geruch des Theaters.

In Zeiten, in denen unter anderem Der weiße Hai, Star Wars, ABBA und Saturday Night Fever hoch im Kurs standen, war Kultur in dieser Form immer von Überwindung begleitet. Aber dieser Überwindung bin ich bis heute zutiefst dankbar.

Es war berauschend. Und wie gesagt, es hat bei mir zutiefst Eindruck hinterlassen. Dass man mit Kunst auf diesem Niveau Menschen zeitlebens so intensiv und unvergesslich in ihren Bann ziehen kann.

Kreativität ist kultur kunst vorbilder bewunderung kreativdirektor

In der Stiftung Ludwig hängt dieser Seerosenteich von Claude Monet. Die Ausstellung ist direkt neben der Domplatte in Köln. In meinen intensiven Zeiten als Skateboarder, so von 1980 bis 1985, nutzte ich meinen Schülerausweis, um umsonst in die Ausstellung zu gelangen. Dann bin ich immer schnurstracks nach oben zu diesem einen, besonderen Bild gegangen und habe mich auf die mit schwarzem Leder bezogene Bank direkt gegenüber gesetzt. Von da aus hatte man den besten Blick auf das Gemälde.

Dann habe ich das Bild ca. 30 Minuten lang betrachtet. Mal länger, mal kürzer. Ich bin förmlich darin versunken. Mit ihm verschmolzen. Anschließend bin ich dann wieder zurück auf die Domplatte zum Skaten. In meiner Erinnerung war ich immer allein im Museum.

Ich weiß nicht, wie oft ich das gemacht habe, aber sicher 30 bis 40 Mal. Und ich kann aus heutiger Sicht auch nicht erklären, warum. Aber immer wieder hat mich das Bild angezogen und nicht losgelassen. Eigentlich bis heute. Wenn ich irgendwo auf der Welt einen Seerosenteich von Monet sehe, ist es, als ob ich einen guten alten Freund treffe. Ich ertappe mich dabei, dass ich das Bild förmlich begrüße.

Auch das gehört zu meinen eindringlichen kreativen Momenten, in denen ich aufgewacht bin. Dass Kunst auf so vielen Ebenen so tief in uns vordringen kann, wurde mir da bewusst. Dass Kunst und Kreativität von unschätzbarem Wert und von großer Bedeutung ein Leben lang für mich sein würden, fand hier seinen Ursprung.

Kreativität ist die Begegnung mit Neuem Anderen und Unbekanntem Bewusst über Grenzen hinaus zu gehen

Shakespeare. *Wie es euch gefällt.* Premiere war am 20. September 1977 im CCC-Film-Studio Spandau-Haselhorst. Ich war 1978 da. Das Ensemble der Schaubühne durchbrach mit dieser Inszenierung alle Vorstellungen von Theater in mir. Alle Grenzen, die nach meiner Vorstellung galten, wurden einfach überschritten. Der Zuschauer – und zu diesen zählte auch ich – war plötzlich Teil der unglaublichen Aufführung.

Man saß nicht nur still und starr im Zuschauerraum, sondern gehörte in einem Moment zu den geladenen Gästen am Hof, dann begab man sich auf mystische Wanderung. Oder man fand sich versteckt und verborgen auf einem Klappstuhl im Wald wieder und beobachtete das Treiben 360 Grad um sich herum.

Die berühmte vierte Wand war durchlässig. Die imaginäre Wand, welche die Zuschauer von den Schauspielern trennt. Eine so ganzheitliche Inszenierung fesselte mich auf eine Weise, wie ich es so nie mehr empfunden habe.

Bis heute ist meine Erinnerung daran noch sehr lebendig. Ein Teil des Ganzen zu sein. Ein weiterer Augenblick, der mein kreatives Ich entfesselte. Über das Gewohnte hinaus zu gehen. Grenzen zu überschreiten. Und immer weiter.

Kreativität ist einen Weg zu finden einen Ausweg Umweg oder auf direktem Weg

Gegen 4:00 Uhr morgens weckte mich mein Vater. Und wir alle durften Ali gegen Foreman sehen – Rumble in the jungle. Ich war 10 Jahre alt. Und es war der 10. Oktober 1974. Rückblickend begreife ich, dass es um mehr als nur um einen Boxkampf ging. Es ging um Kultur. Nicht in Form von Kunst, sondern um jene Kultur, die eine Gesellschaft ausmacht. Es erschien meinem Vater wichtig, dass ich das erfahre. Ali steht für so viel. Für so viel mehr als Boxen. Ali ist der Beweis, dass es sich lohnt, eine Haltung gegen allen Widerstand zu vertreten.

Und er hat mit der Runde 8 Geschichte geschrieben. Alles sprach gegen ihn, aber er hatte einen Plan. Nur er. Und der ging auf. Ali ist für mich der Größte aller Zeiten. Weil zum Größten mehr zählt, als die Summe der Titel. Oder der Einnahmen. Oder der Statistiken. Der Größte ist man, weil man der Größte in wirklich wichtigen Lebenslagen war. Weil man kulturell für die Menschheit viel mehr erreicht hat. Ali hat das wie kein anderer. Und das hat mich bis heute unglaublich inspiriert. Er ist pure Inspiration.

Kreativität ist was die eigene Vorstellungskraft übersteigt wie die Mondlandung

Kreativität wird gespeist durch Ereignisse, welche die eigene Vorstellungskraft bei Weitem übersteigen. Die Mondlandung war und ist so ein Ereignis. Sie zeigt eindrucksvoll, dass das Undenkbare möglich ist. Dass einem das eigene Gehirn Grenzen setzt. Die Grenzen der Vorstellungskraft. Aber man kann diese überschreiten und einfach ignorieren. Man kann geistig hinter dem eigenen Horizont weiterreisen. Und entdeckt dort Neues, anderes und manchmal sogar Unvorstellbares.

Dass Unmögliches möglich werden kann, dafür steht in meiner kreativen Entwicklung die Mondlandung.

Diese hat die Menschheit kollektiv so in ihren Bann gezogen, dass ich diese Form von Grenzüberschreitung als wundervoll empfunden habe. Menschen überraschen. Neue Wege gehen. Nicht nur in bekannten Denkmustern verharren. Und sich immer wieder die eine Frage stellen: Warum eigentlich nicht?

Nur weil Menschen nicht auf eine Lösung oder eine Idee gekommen sind, heißt das nicht, dass es nicht genau das gibt. Dieses größte aller geistigen Abenteuer wurde zu meiner Sache.