Christof Hintze Thinking Partner Mindset Einstellung Mentalität

Identifikation mit dem Schmerzkörper ist eine Bezeichnung für dieses Phänomen. Wer bin ich, wenn ich das Problem nicht mehr habe? Viele haben erkannt, dass ein Problem sehr gut dazu führt, Aufmerksamkeit zu erhalten. Immer ein Thema zu haben. Im Zentrum und Mittelpunkt zu stehen. Probleme haben eine magische Anziehungskraft. Was dazu führt, dass sich Menschen unentwegt mit Problemen beschäftigen können. Was bis zur Identifikation führt. Und somit stellt sich die berechtigte Frage: Wer bin ich denn noch, wenn ich das Problem nicht mehr hätte? Was ist dann mit dem Interesse an meiner Person? Was steht dann im Mittelpunkt? Entweicht das Interesse an meiner Person dann vollständig?

Dieses gesellschaftliche Phänomen sieht man überall. Sogar Menschen schaffen es, sich mit ihrem Problem zu identifizieren. Was erklärt, warum so wenige an wirklichen Lösungen interessiert sind. Denn wenn das Problem nicht mehr da ist, dann ist man selbst nicht mehr da. Und weil viele Menschen gelernt haben, das Leben genau so zu sehen, und um uns herum viele es genau so vorleben, deshalb ist für viele Menschen „Existenz“ das ständige Begegnen, Bekämpfen und Überwinden von Problemen. Was man eigentlich auch als Pflege und Kultivieren des Problems beschreiben kann.

Trifft man Menschen, erzählen sie einem in der Regel, welche großen Probleme sie gerade haben. Es gibt regelrecht einen Wettbewerb über die Größe von Problemen. Denn das größte Problem drängt sich immer in den Vordergrund. In Meetings in Unternehmen ist es genauso. Aber auch auf Familientreffen.

Fünf Menschen treffen sich zufällig. Und alle stellen fest, dass sie leidenschaftliche Taucher sind. Es dauert keine fünf Minuten und nur noch Tauchunfälle sind das Thema.

Der Fokus und die Identifikation auf Probleme machen etwas mit den Menschen. Das sieht man physisch und psychisch. Wenn Menschen das Leben als das Überwältigen von Problemen betrachten, dann sehen diese Menschen das Leben auf eine besondere Art und Weise. Aus diesem Denkmodell kann man raus. Das ist ein Weg. Ein langer. Ein eventuell nie endender Weg. Aber ich denke, der lohnt sich. Denn das Leben mit den Augen von Lösungen, Chancen und Möglichkeiten zu sehen, macht auch etwas mit den Menschen. Das sieht man ebenfalls psychisch und physisch.

Das Leben als Weg von Entdeckung zu Entdeckung zu betrachten. Als eine Chance nach der anderen genutzt zu haben. Aus der Vielfalt der Möglichkeiten sich immer das Beste herausgesucht zu haben. Immer neugierig auf der Suche nach der nächsten Lösung alles wahrnehmen. Das ist ein anderes Leben. Ein Leben, in dem immer wieder Neues, anderes, Wundervolles passiert. Ein Leben, das von der Lust beflügelt ist, statt von der Angst getrieben. Ein Leben mit leuchtenden Farben, statt schwarz zu sehen.

Überzeugung gutes Marketing ist wie Schach Kennen bedeutet nicht Können

Gutes Marketing ist wahrlich eine Kunst. Denn es wird von so vielem beeinflusst. Und es wird durch ebenso viele auf die Beine gestellt. Bis man bei einem Großmeister ankommt, wird man sehr oft von jemandem mattgesetzt, der wiederum von jemandem mattgesetzt wird. Wie lang die Reihe ist, weiß ich nicht. Aber mit Blick auf meine Erfahrungen ist die Reihe sehr lang.

Marketing in Form eines Schachgroßmeisters ist so selten wie die Schachgroßmeister selbst. Die meisten im Marketing kennen Marketing mehr oder weniger. Aber nur wenige können es wirklich. Woran das liegt? Zum einen wird es schlecht bezahlt, gut darin zu sein. Und dann ist gutes Marketing wie eine Sandburg bauen. So groß und prächtig diese auch ist, eine Welle genügt, und sie gehört der Vergangenheit an.

Exzellentes Marketing hat keine hohe Reputation in Unternehmen. Es sind in der Regel doch diejenigen, die ständig Geld ausgeben. Sie produzieren keine Produkte. Und sie verkaufen nicht so direkt wie der Vertrieb. Marketing hat kein gutes Standing. Kommt der Rotstift, ist das Marketing immer zuerst dran.

Das Verständnis von Marketing ist nicht sehr weit verbreitet. Wenn man aber bedenkt, wie viele Produkte scheitern, was den weitaus größeren Anteil ausmacht als die Produkte, welche zwei Jahre überleben. Aber niemand zweifelt daran, dass das nächste neue Produkt es diesmal ganz sicher schaffen wird. In 80 % der Fälle ist hier der Wunsch der Vater des Gedankens. Aber Produkte haben ein super Standing. Die dürfen von zu Hause aus scheitern. Das ist okay und akzeptiert.

Und im Vertrieb? Das Fass will ich erst gar nicht aufmachen. Denn das Fass hat keinen Boden. Denn am Ende ist es dann doch wie Schach. Wer glaubt, dass es wichtige und unwichtige, bessere und schlechtere Figuren auf dem Brett gibt, der hat das Spiel wirklich nicht verstanden. Es sind die vermeintlichen Opfer, welche die größten Siege errungen haben. Es sind Bauern, welche Könige zu Fall gebracht haben. Es haben nie Könige andere Könige geschlagen. Sondern die Qualität des komplexen Zusammenspiels, bei maximal bester Einschätzung jeder Situation, mit dem analytischsten Blick in alle Richtungen, ist der Garant fürs Gewinnen.

Christof Hintze Business Überzeugungen Grundsätze Annahmen die man erlernt hat und die sich immer wieder bestätigen

Es gibt zwei Arten von Perfektionismus. Die eine ist nah am Wahnsinn erbaut. Diese versteckt sich hinter dem Begriff, weil sie die Bewertung und das Resultat fürchtet – wie der Vampir das Tageslicht.

Da wird nichts fertig. Nichts ist gut genug. Varianten und Alternativen bis hinter den Horizont. Und alles eingewickelt in die Lüge von der Perfektion. Es sei nicht gut genug. Es wird nie gut genug. Eigentlich ist es ein Missbrauch des Wortes.

Denn die eigentliche Idee der Perfektion ist atemberaubend und wundervoll. Sie ist das geniale Zusammenspiel aller Details zu einem Resultat, das alles andere in den Schatten stellt. Perfektion definiert immer den Status quo neu. An der echten Perfektion orientieren sich alle anderen.

Wenn ich die Entscheidung habe, zwischen Perfektion oder Vorankommen zu wählen, wähle ich immer das Vorankommen. Das Gute ist schon um vieles besser als alles, was dahinter liegt. Das Gute liegt bei etwa 80 %.

Um die letzten 20 % zu erzielen, wird das Verhältnis von Aufwand und Investition unverhältnismäßig. Hier zerlegt es alle betriebswirtschaftlich gesunden Vorgehensweisen. Denn in Wirklichkeit sind Faktoren wie Aufwand, Ressourcen, Zeit, Manpower, Material und Investition auf der einen Seite und Motivation, Inspiration und Mentalität auf der anderen Seite ein wesentlicher Bestandteil der wirtschaftlichen Betrachtung.

Dauert etwas deutlich zu lange, wird der Aufwand viel zu groß, dann kippen alle KPIs, die eine gesunde betriebswirtschaftliche Betrachtung und Bewertung überhaupt möglich machen.

Zum gemeinsamen Erfolg gehört eben deutlich mehr als Wahnsinn. Es ist der Sinn.

Darum bevorzuge ich immer eine gute Idee heute, als eine perfekte morgen.

Es hat sich leider eingeschlichen, dass Kritik – ob konstruktiv oder destruktiv – immer mehr Aufmerksamkeit bekommt als Anerkennung, Zustimmung und Lob. Das hat leider zur Folge, dass, egal wie gut eine Idee ist, diese sich brutal erwehren muss. Dass sie sich in einem erbarmungslosen Kampf verteidigen muss.

Was man von den Bedenken, Einwänden und Kritiken nicht behaupten kann. Da genügt ein einfaches „Das ist es nicht!“ und alle denken übereinstimmend: „Das ist es nicht!“ Niemand würde Bedenken so auf die Probe stellen und herausfordern wie eine Idee. Die steht nackt, wehrlos vor allen anderen.

Was es Ideen ungemein schwerer macht, sich durchzusetzen. Egal wie gut sie sind. Somit scheitern Ideen am Ego von Menschen, nicht an der Idee selbst. Ideen scheitern an destruktiven Gruppendynamiken. Was mich als Kreativer daran immer gestört hat, ist der Umstand, dass es gute Ideen nicht wie Sand am Meer gibt. Im Gegensatz zu unbegründeten Einwänden und Bedenken. Ideen sind kostbar. Vor allem gute Ideen. Denn diese erzielen die gewünschte Wirkung.

Das ist dem Ego leider egal, aber allen anderen sollte das bewusst sein.

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Es fällt auf, dass sich viele lange mit demselben Problem beschäftigen. Das Interesse an einer unbekannten Lösung ist nicht so groß wie die Befürchtung, sein bekanntes Problem zu verlieren. Die Identifikation mit dem Problem ist stärker. Was wäre man ohne das Problem? Darum haben es Lösungen so schwer.

Die Problemkultur in Unternehmen wird auch dadurch gut sichtbar, wenn man Meetings verfolgt. Das größte Problem kommt immer als erstes dran. Nicht die beste Lösung. Stehen zwei Mitarbeiter vor dem Büro des CEOs. Der eine sagt: Wir haben ein großes Problem. Der andere sagt: Wir haben eine gute Lösung. Jetzt raten Sie mal, wer als erstes ins Büro gerufen wird.

Das Bewältigen und Bekämpfen von Problemen ist das zentrale Denken und Handeln in Unternehmen. So wie im Leben. Für viele Menschen bedeutet Leben das Bewältigen von Problemen. Somit stellt sich die grundsätzliche Frage nach der Mentalität. Wenn Probleme den Vorzug vor Lösungen bekommen – wen wundert dann noch irgendetwas?

Wenn die Aufmerksamkeit sich an der Größe des Problems orientiert, anstatt an der Chance der Lösung. Wenn Menschen nur Applaus, Anerkennung und Aufmerksamkeit bekommen, wenn sie sich um ein möglichst großes Problem kümmern?

Ich habe beim Motorradfahren gelernt, dass man ans Ende der Kurve, den Ausgang – da, wo man hin will – schauen soll. Nicht in die Kurve. Der Körper macht dann automatisch alles von selbst richtig. Funktioniert auch beim Kellner-Trick. Wenn man vier randvolle Tassen oder Gläser auf einem Tablett trägt und dabei den Blick auf das Tablett richtet, damit nichts überläuft, dann läuft alles über. Wenn man aber nicht hinschaut, dann läuft nichts über.

Diese Analogien zeigen, dass es eventuell von Vorteil ist, die Blickrichtung dahin zu richten, wo man hin will. Die Gedanken, Ideen, Aufgaben folgen dann automatisch. Das ist keine Garantie, dass man am Ziel ankommt, aber die Wahrscheinlichkeit ist deutlich höher.