Brand Management Thinking Partner Branding Christof Hintze über unsterblichkeit und zeitlos sein

Ganz selten passiert es. Dass etwas so vollendet ist, dass es zeitlos ist. Dass etwas über all die Jahre noch immer den Status quo darstellt. Die ganze Welt drum herum verändert sich, aber diese wenigen Dinge bleiben. Gerade im Bereich Design.

Es gibt eben Dinge, die kann man nicht schöner machen. Diese erfüllen für die ästhetische Wahrnehmung alle Wünsche. An diesen orientieren sich ganze Generationen von Designern. Sie werden kopiert und zitiert. Designklassiker.

Wie kann das sein, dass etwas immer schön in den Augen der Betrachter ist? Sicherlich nicht für alle Menschen. Aber für die Menschen, denen Design als Kunstform wichtig ist. Als Ausdruck von Lebensstil.

Es sind letztendlich mehr als Möbel. Es sind Statements. Sie haben die eigentliche Funktion des Möbels oder des Designs überschritten. Es ist mehr eine Form von Persönlichkeit und Charakter.

Diese Designobjekte, egal ob Möbel, Autos, Fahrräder, HiFi oder was auch immer, beschreiben den Menschen, der diese um sich hat oder bewundert. Zeitlose Ästhetik als Lebenssinn. Vorbilder. Manchmal sogar bis hin zu: göttlich.

Brandmanagemnet Branding Rebranding das einfache ist das besonders schwere

Das ist einfach, das kann ich auch! Mit diesem kleinen, leichtsinnigen und unüberlegten Gedanken fangen richtig große Probleme erst an. Der Respekt vor der hohen Kunst des Einfachen ist einer Überheblichkeit der unwissenden Dilettanten gewichen.

Nur weil etwas leicht aussieht, muss dem nicht so sein. Sondern das Gegenteil ist oft der Fall. Beobachtet man zum Beispiel ein Ballett, dann sehen diese fließenden, harmonischen und fliegenden Bewegungen so unglaublich leicht aus. So unbekümmert. Fast kindlich. Diese Form von Leichtigkeit in der Ausdruckskraft ist die wohl am schwersten zu erreichende. Ebenso verhält es sich mit sehr vielen Aspekten unseres Lebens. Ich höre Menschen vor Kunstwerken stehen und sagen: Das könnte ich auch. Ja, jetzt denkst du das, nachdem jemand den langen, beschwerlichen Weg gegangen ist. Um dort anzukommen und dem Kunstwerk diese magische, betörende und unglaubliche Leichtigkeit zu verleihen. 

Du kannst es vielleicht kopieren, aber sei dir sicher: Du wärst nie imstande gewesen, es auch zu können. Denn den Weg dorthin hättest du nie beschreiten können.

Piloten sitzen nur herum. Das macht ja der Autopilot. Das kollektive Geringwertschätzen von hochkomplexen Dingen, um sich selbst zu erhöhen, ist eine mir unerträgliche Zeiterscheinung. Ich denke, Wertschätzung und Respekt sind hier eher angebracht. Denn eins ist mal sicher: Allein an Spaghetti all’aglio e olio, so wie sie wirklich gedacht sind, werden die meisten scheitern. Diese auf den Punkt perfekt hinzubekommen, ist bei Weitem nicht nur Spaghetti mit Knoblauch. Und das nicht nur aus Glück einmal, sondern immer und immer wieder.

Die Wertschätzung und der Respekt vor der Kunst des Einfachen in allen Bereichen hätten ein echtes Comeback verdient. Das würde vieles erleichtern.

Christof Hintze ‎Brand Management Bohemian Rhapsody von Queen wie der glaube märkte versetzt

Bohemian Rhapsody von Queen ist der zentrale Song der Musikgeschichte. Und alle – außer der Band selbst – wollten diesen Song auf keinen Fall produzieren. Vor allem war er zu lang, mit über 12 Minuten. Alles an dem Song war anders, was ihn zu einem Problem machte.

Aber die Band hat sich, wie wir wissen, durchgesetzt und somit Musikgeschichte geschrieben. Dieser Song, diese Idee hat es geschafft. Aber wie viele geniale Ideen an ignoranten und dummen Einwänden gescheitert sind und scheitern werden, wissen wir nicht. Mein Gefühl sagt mir, es sind viele, sehr, sehr viele.

Bohemian Rhapsody zählt zu den einflussreichsten und wichtigsten Songs der Rockgeschichte. Er ist das iPhone der Rockgeschichte. Und er war und ist zudem ein gigantischer kommerzieller Erfolg. Obwohl alle Profis in den Musikverlagen vom Gegenteil absolut überzeugt waren. Dieser Song kann nur und wird fulminant scheitern.

Diese Situationen erlebt man in der Geschäftswelt täglich. Die einen sehen nur das Risiko und bewerten nur den möglichen Misserfolg. Für diese Menschen ist alles Neue und Andere eine existenzielle Bedrohung. Als ob es um Leben und Tod geht. Die Auslöschung von allem, was ist.

Alles andere können diese Menschen nicht sehen – oder wie in diesem Fall nicht hören. Streift man durch die größten Erfolgsgeschichten der Menschheit, trifft man in der überwiegenden Anzahl auf solche oder ähnliche Umstände.

Akio Moritas Idee vom Walkman fiel bei seinem Management ebenso durch. George Lucas’ sechsteiliger Star-Wars-Saga traute man gerade einmal missmutig drei Folgen zu. Wie viele andere Ideen, die die Welt, in der wir leben, verändert haben.

Was ein Muster zum Vorschein bringt: Dass die Pessimisten – die Menschen, die nur das Risiko sehen, die Gefahren und die Schwächen – oft hochbezahlte Manager und Entscheider sind. Die überall jeder Form von möglichem Erfolg im Wege stehen.

Somit verwundert es umso mehr, welcher Erfolg bei solchen Widerständen überhaupt noch möglich ist. Es scheint so, dass es immer wieder mal aus Versehen passiert, dass sich eine solche Idee ihren Weg bahnt – weil es einfach passiert.

Und dann hat der Erfolg viele Väter – unzählige.

Halle Berry die besondere Leistung hinter dem was man sieht Brandmanagement Branding Brand Marke Makenkommunikation Marketing

Die Dinge, die besonders leicht und einfach wirken, haben es in der Regel in sich. Endlose Überwindung. Viel Schweiß. Und noch mehr Arbeit. Wir bewundern das rein Äußerliche, aber sehen nicht, welche unglaubliche Leistung und hohen Investitionen dafür aufgebracht wurden. Darum begehen viele den Fehler zu glauben, es stecke nicht viel dahinter. Es seien die guten Gene. Glück. Der Zufall der Natur. Es würde einem einfach so zufliegen.

Schaut man aber genau hin, steckt gerade im Besonderen besonders viel von dem, was viele nicht bereit sind aufzubringen. Das wäre dann doch zu viel des Guten. Zu anstrengend.

Zu fordernd. So verhält es sich meist auch mit dem Marketing. Zum einen werden die bekannten, beliebten und begehrten Marken bewundert. Aber nur wenige sind dazu bereit, eine entsprechende Leistung dafür zu erbringen. Sie fangen nicht mal an. Dann doch lieber Rabatte. Oder noch mehr Produkte. Andere Vertriebswege. Oder einfach billiger produzieren und noch billiger verkaufen. Oder versuchen, den Käufer zu täuschen.

Dabei ist das der leichte Weg, der selten bis nie zu etwas führt, das einen Wert hat. Es sich leicht zu machen ist mehr ein Hail Mary – aber führt zu keiner Halle Berry.