3. Was war der größte Irrtum in meinem Leben – und was haben ich daraus gelernt?
Dass mein Denken immer einer gewissen Logik entspringt. Dass mein Denken sich nicht irren kann. Und dass meine Gedanken immer wichtig sind. Das war ein unglaublicher Irrtum. Der weit überwiegende Teil meiner Gedanken hat sich als gedanklicher Lärm entpuppt. Eine Mischung aus unbegründeten Ängsten, falschen Sorgen, unhaltbaren Zusammenhängen, fatalen Konsequenzen, Unwichtigem und einfach Blödsinn. Ich habe versucht, auf meine Gedanken zu hören und ihnen zu folgen. Bis ich feststellte, dass diese größtenteils völlig unbewusste Gedanken sind. Die gar nicht meine Gedanken sind. Wie 20 lärmende Radiosender, die gleichzeitig sehr penetrant und laut sich mit einer Vielzahl von Gedankenlärm übertönen. Ich dachte wirklich – ich denke. Bis ich erkannte – da denkt jemand anders in meinem Kopf.
Daraus habe ich gelernt, diese falschen Gedanken in der ersten Phase zu erkennen. Was sind bewusste und was sind unbewusste Gedanken? Und die Gefühle, Emotionen und Reaktionen auf diese falschen Gedanken zu erkennen. I
In der zweiten Phase zu beobachten, wann welche falschen Gedanken zum Vorschein kamen und welche Reaktionen ich daraus ableitete. Und in der letzten Phase habe ich gelernt, mit diesen Gedanken zu kommunizieren. Sobald diese auftauchten. Sobald sie den Ton ergriffen. Diese drei Phasen haben dazu geführt, dass Ruhe eintrat. Diese unkontrollierten, falschen Gedanken verstummten. Dass das Radio nicht mehr sendet. Und bis heute begegne ich meinen aufkommenden, unkontrollierten Gedanken bewusst: Jetzt nicht. Du schon wieder. Ach, lange nichts gehört. Halt die Klappe.
Ohne professionelle Hilfe wäre mir das in dieser Form sicher nicht gelungen. Aber mir hat im Vorfeld niemand verraten, dass das, was meine Gedanken da Tag ein und Tag aus so „ratschen“, überwiegend wertlos, überflüssig und Blödsinn ist. Oder anders gesagt, mit einer Frage: Wie viel von den Sorgen, die man sich gedanklich gemacht hat, tritt im Leben wirklich ein? Weniger. Noch viel, viel weniger.