1. Was ist wichtiger: Erfolg oder Zufriedenheit?
Zufriedenheit! Entgegen der landläufigen Meinung, dass Erfolg etwas mit viel Geld zu tun hat, denke ich, dass Erfolg primär durch Gefühle bestimmt wird. Erfolg fühlt sich an. Erfolg ist nicht. Das Gefühl von Erfolg ist bestimmt von Freiheit, Sicherheit und Selbstbestimmtheit.
Somit hat Geld darin seine Berechtigung. Aber es ist nicht das Zentrum von Erfolg. Mit Geld verbindet man einen Teil von Freiheit und Sicherheit. Ohne Geld ist diese Form von Freiheit und Sicherheit nicht gewährleistet. Aber das wesentliche und maßgebliche Gefühl, das sich in einem ausbreitet, ist große Zufriedenheit.
Ich habe mich am erfolgreichsten gefühlt, wenn meine Sinne durch diese Gefühle geflutet wurden. Hinzu kommt der soziale Aspekt von Erfolg: Anerkennung und Wertschätzung von Menschen. Und das Gemeinsame am Erfolg. Somit ist Erfolg ein Gefühl, das mit messbaren und beweisbaren Werten nichts zu tun hat. Zufriedenheit hingegen schon.
Jeden Moment, jeden Tag kann man seine gefühlte Zufriedenheit bewerten. Zufriedenheit kann man aktiv formen und gestalten. Erfolg nur begrenzt.
Man kann auch mit rationalen Aspekten letztendlich keine Freiheit und Sicherheit herstellen. Dieser Versuch ist zum Scheitern verurteilt. Menschen, die einen hohen Bedarf an Sicherheit haben und deshalb viele Schlösser an ihre Haustüren machen, Gitter vor die Fenster, Alarmanlagen und Kameras anbringen, verstärken durch all diese Maßnahmen die Unsicherheit. Menschen fühlen sich nicht sicherer, wenn sie überall Dinge sehen, die ihnen eine mögliche Bedrohung suggerieren.
Das sehe ich auch bei Medikamenten so: Wenn diese überall sichtbar herumstehen, dann kommunizieren sie nicht Gesundheit, sondern die ständige Gegenwart und Akzeptanz von Krankheit.
Ebenso ist es mit der Freiheit. Öffnet man Garagen, dann erblickt man oft Kajaks, Rennräder, Fahrräder aller Art, Motorräder und andere Objekte, die individuelle Freiheit ausdrücken sollen. Fragt man aber, wann man das letzte Mal diese Freiheit genossen hat, erfährt man: sehr selten oder schon lange nicht mehr.
Je mehr Objekte in einem Umfeld die persönliche Freiheit ausdrücken sollen, desto unfreier sind Menschen. Die Symbolik, die Absicht kompensiert nicht das wirkliche Gefühl von Freiheit.
Mit der Zufriedenheit ist es anders. Diese kann ich objektiv jeden Moment beeinflussen. Den Grad der Zufriedenheit kann man beeinflussen. Erfolg hat viel mit Faktoren zu tun, die man nicht beeinflussen kann, und genügt nie. Erfolg ist eine Droge. Mit jedem weiteren Erfolg wird man süchtiger. Zufriedenheit ist eine sehr bewusste Entscheidung, die ich selbst treffen kann.
Klingt paradox, ist aber so. Somit ist die herkömmliche Definition von Erfolg ebenso paradox. Denn alles, was im Außen Erfolg symbolisieren soll, kommuniziert nach innen etwas völlig anderes. Nämlich, dass es nie genug ist, nie das Neueste, nie das Beste.
Nichts frustriert mehr, als vom Erfolg der Vergangenheit umgeben zu sein. Somit ist die Dokumentation von Erfolg im Außen mit dieser Sucht verbunden – der ständigen Suche nach Bestätigung und Bewunderung im Außen. Diese Gier nach Erfolg macht nicht zufrieden, sondern chronisch unzufrieden.
Die Zufriedenheit ist da gnädiger. Sensibler. Befriedigender. Sie genügt sich schneller.
Die Gier nach Erfolg führt im Umkehrschluss zum Gegenteil der eigentlichen Absicht nach Erfolg: Unfreiheit und Unsicherheit. Erfolgreich ist für mich ein Mensch, der aufwacht und einschläft mit dem zutiefst wahrhaftigen, zufriedenen Gefühl, frei, sicher und selbstbestimmt zu sein.
Also ein zutiefst zufriedener Mensch.
Somit stellt sich nicht die Frage, was wichtiger ist, sondern: Was ist Erfolg für mich? Große Zufriedenheit.