Gedanke
[28.05.2026. Bernried am Stranberger See, Deutschland. Autor: Christof Hintze]
Lange war ich überzeugt, dass, wenn etwas wirklich gut tut oder ist, dann muss viel davon noch deutlich besser sein. Also wenn 2 Gläser Wein einen so guten Effekt erzeugen, dann müssten 2 Flaschen ja logischerweise überwältigend sein. So ist es ja auch mit Geld: Wenn eine bestimmte Menge sich so gut anfühlt, dann muss sich viel mehr davon proportional besser anfühlen. So hielt ich es mit allem. Denn meinem Gehirn schien das nur logisch. Bis ich an den Zeitpunkt kam, dass ich zurückblicken konnte und überprüfen konnte, ob dem so ist. Und mir fiel auf, dass dem überhaupt nicht so ist. Noch viel schlimmer, mir fiel auf, dass etwas Gutes und Schönes sich völlig vom Eigentlichen abgekoppelt hat.
Wenn man 2 Schachteln Zigaretten am Tag raucht, dann ist man von den 3 Zigaretten damals sehr weit entfernt. Und dieses Gefühl von Selbstbestimmtheit und Freiheit und Individualität hat sich in ein maßloses Konsumverhalten gewandelt. In eine Sucht. Das Ursprüngliche war völlig verschwunden.
Als ich für 500 Mark meinen ersten VW Käfer kaufte. Den ich auf der Straße selbst lackiert habe. Und die Löcher im Unterboden mit Epoxidharz versiegelte. Hatte ich dieses unglaubliche Gefühl von persönlicher, grenzenloser Freiheit. Dieses Gefühl in Verbindung mit Auto hatte ich später nie mehr.
Und so haben sich viele schöne Gefühle und Empfindungen im Laufe der Zeit verwandelt. Ohne dass man es bemerkt. Denn man folgte ja der Logik. Wenn wenig von etwas sich großartig anfühlt, dann muss unweigerlich viel davon fantastisch sein.
Aber so verhält es sich nicht. Noch schlimmer, das Ursprungsgefühl geht verloren. Und an seine Stelle tritt die Gier und dann die Habgier. Eine Form von Egoismus schleicht sich ins Leben, die man von sich selbst nie geglaubt hätte. Bis man süchtig nach mehr ist. Immer mehr. Und es einem dämmert, dass es wohl nie genug sein wird.
Aber solange man mehr noch aushält und zustande bekommt, unterdrückt man die leisen Zweifel. Man schränkt den Blickwinkel so sehr ein, dass alles an einem nur so vorbeirast. Man ist so beschäftigt mit dem „Mehr“. Dass keine Zeit für berechtigte Zweifel bleibt. Es scheint Teil des großen Spiels des Konsums zu sein. Dass die Konsumenten immer mehr wollen und bekommen. Wie es ihnen dabei ergeht, ist nebensächlich. Ist Kollateralschaden. Die vielen, die an Herz-Kreislauf-Krankheiten das Zeitliche segnen. An Tabak. An Alkohol. An Stress. An zu hoher Geschwindigkeit. An Essstörungen. An einer Erkrankung der Psyche.
Das ist Teil des großen Spiels des Konsums und einer Wachstumswirtschaft. Aber wenn man es noch erlebt, dann wacht man auf. Und Selbstzweifel werden größer. Und das eigene Verhalten ändert sich langsam. Aber man entzieht sich so gut es geht der öffentlichen Auseinandersetzung. Man will ja nicht moralisieren. Und man hat es ja selbst gemacht.
So blickt man auf die Gesamtsituation und denkt sich seinen Teil. Aber behält es besser für sich. Das ist auch besser so.
Gedanke
Das ist einfach, das kann ich auch! Mit diesem kleinen, leichtsinnigen und unüberlegten Gedanken fangen richtig große Probleme erst an. Der Respekt vor der hohen Kunst des Einfachen ist einer Überheblichkeit der unwissenden Dilettanten gewichen. Die Verwechslung von leicht mit simpel liegt auf der Hand. Darum sind es meist die simpel denkenden Menschen, die zu dieser überheblichen Verwechslung neigen. Menschen, welche die Fähigkeit besitzen, „leicht“ denken zu können, wissen, wie schwer das ist.
Nur weil etwas leicht aussieht, muss dem nicht so sein. Sondern das Gegenteil ist oft der Fall. Beobachtet man zum Beispiel ein Ballett, dann sehen diese fließenden, harmonischen und fliegenden Bewegungen so unglaublich leicht aus. So unbekümmert. Fast kindlich. Diese Form von Leichtigkeit in der Ausdruckskraft ist die wohl am schwersten zu erreichende.
Leicht bedeutet, auf das Wesentliche reduziert. Simpel bedeutet, es nicht zu berücksichtigen, weil man es nicht weiß. Bewusst etwas wegzulassen ist nicht vergessen, dass es das gibt oder welche Bedeutung es hat. Wenn Dinge uns mit dieser großen Leichtigkeit begegnen, sollten wir sofort daran erkennen, dass damit große Schwierigkeiten verbunden sind.
Wer das nicht glaubt, kann ja mal Wellenreiten – sprich surfen – gehen. Das sieht doch so leicht aus.
Ebenso verhält es sich mit sehr vielen Aspekten unseres Lebens. Ich höre die Menschen vor Kunstwerken stehen und sagen: Das könnte ich auch. Ja, jetzt denkst du das, nachdem jemand den langen, beschwerlichen Weg gegangen ist, da anzukommen und dem Kunstwerk diese magische, betörende und unglaubliche Leichtigkeit zu verleihen. Du kannst es vielleicht kopieren, aber sei dir sicher, du wärst nie imstande gewesen, es auch zu können. Denn den Weg dorthin hättest du nie beschreiten können.
Eine einfache Melodie kann jeder kopieren, aber sie zu entdecken, ist etwas ganz anderes.
Piloten sitzen nur herum. Das macht ja der Autopilot. Die kollektive Geringwertschätzung von hochkomplexen Dingen, um sich selbst zu erhöhen, ist eine mir unerträgliche Zeiterscheinung. Ich denke, Wertschätzung und Respekt sind hier eher angebracht. Denn eins ist mal sicher: Allein an Spaghetti Aglio e Olio, so wie sie wirklich gedacht sind, werden die meisten scheitern. Diese auf den Punkt perfekt hinzubekommen, ist bei Weitem nicht nur Spaghetti mit Knoblauch. Und das nicht nur aus Glück einmal, sondern immer und immer wieder.
Die Wertschätzung und der Respekt vor der großen Kunst des Einfachen in allen Bereichen hätten ein echtes Comeback verdient. Das würde vieles erleichtern.
Gedanke: Verdünnung.
Über Reichweite
und Aufmerksamkeit
in der Kommunikation.
Gedanke: Verbindungen.
Über falsche
Zusammenhänge in
der Wahrnehmung.
Gedanke: Bewegung.
Eine interessante
Beobachtung im
Konsumverhalten.
Gedanke: Denken.
Eine denkwürdige
Prophezeiung
über’s Denken.
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