Gedanke: Verdünnung.
Über Reichweite und Aufmerksamkeit
in der Kommunikation. 

Verdünnung. Die zunehmende Wirkungslosigkeit. Die Trivialisierung als logische Konsequenz aus der Wirkungslosigkeit. Die Währung dieser Zeit ist die Aufmerksamkeit. Wenn Wirkung nachlässt, muss die Amplitude der Aufmerksamkeit ständig erhöht werden. Um heute noch wahrgenommen zu werden, muss man die Linien der Aufmerksamkeitsschwelle beachten und überschreiten. Die Intensität dieser verschieben sich zunehmend. Der Faktor der Verdünnung wird immer schneller immer höher. Somit kommen zwei Aspekte zusammen, die für messbare Wirkung gar nicht gut sind: wertlose Reichweite und nicht relevante Aufmerksamkeit. Zwei Parameter die in ihrem Ursprung, vor nicht allzu langer Zeit die Goldadern der digitalen Welt darstellten. Nicht zu vergessen: Reichweite war mal wertvoll. Und Aufmerksamkeit auch.

Reichweite ist aber schon lange kein qualitatives Merkmal mehr. Die Reichweite gibt es nicht mehr. Nicht mal bei hoher Reichweite. Oder gigantischer. Denn Reichweite in Zahlen zu erzielen, ist heute leicht möglich, ohne dass diese Reichweite auch nur einen Impact auf die Wirkung hat. Zum einen kann man Follower kaufen, dies sind immer passiver geworden, Folgen heisst nicht Wahrnehmen, die Preise für Follower sinken zunehmend. Der Preis für 1.000.000 Follower liegt zwischen 8.000 und 60.000 EUR. Alle qualitativen Merkmal werden pulverisiert. Der Wirkungsgrad dieser Art von Marketing löst sich im Promillebereich auf. Bis er ganz verschwindet.

Zum anderen sind da die Bots. Und die Fake-Accounts. Und die massenhafte Skalierung durch KI. Schon bald wird Instagram weit mehr Mitglieder haben, als es Menschen auf der Erde gibt. Unternehmen können mit KI Heerscharen von Follower generieren, die zudem Liken und kommentieren. Und das werden sie machen. Und dann ist noch lange nicht Schluss. Somit wird Werbetreibenden Kunden völlig wirkungslose Reichweite zu Werbezwecken angeboten werden. Und vereinzelt folgen noch echte Menschen digitalen Avataren, in der Annahme, diese wären echt. Das ist in seiner Absurdität kaum zu übertreffen. Und Unternehmen erschhaffen selbst eine eigen Reichweite um den Konsumenten hinters Licht zu führen.

Das Ganze Geschäftsmodell ist völlig versunken und Strategien der Täuschung und der Manipulation. Niemand macht sich mehr die Mühe – redlich mit Anstand zu kommunizieren. Weil dafür mitleidig belächelt wird. Und man im Nebel der ganzen Nebelkerzen unsichtbar bleibt. Wie gedopte Sportler abfällig auf die naiven, chancenlosen Mitstreiter herabblicken.

Auf der anderen Seite führt diese Überschwemmung zu einer dramatischen Verschiebung der Regeln der Aufmerksamkeit. Um überhaupt noch irgendwie wahrgenommen zu werden, muss man den kommunikativen Impuls ständig erhöhen. Sonst ist man in einer irrelevanten Reichweite nicht mal zu sehen und zu hören.

Das ganze Geschäftsmodell mit Reichweite und Aufmerksamkeit wird sich dramatisch zuspitzen, und an deren Ende wird diese Blase einfach platzen. Beschleunigt wird diese Entwicklung in Hyperspeed durch die KI.

Die Trivialisierung, die wir in allen Lebensbereichen wahrnehmen können, ist die logische Folge daraus. Wenn man sich immer schneller bewegt, kann man immer weniger wahrnehmen. So ist es auch in der Kommunikation. Die Beschleunigung und die Menge führen dazu, dass nur noch ganz fokussiert überhaupt etwas wahrgenommen wird. Nur noch im Zentrum von Signalen und Impulsen. Die Reize, die es dafür benötigt, müssen immer mehr verstärkt werden. Wie verrückt diese Entwicklung ist und zukünftig sein wird, erkennt man an der amerikanischen Politik. Die Impulsdichte und der Ausschlag der Impuls-Amplitude nehmen immer mehr zu. Neben der Beschleunigung ist da noch die unendliche, wahnsinnige Menge – an Content. Aus dieser unübersichtlichen Masse herauszuragen, geht nur mit immer drastischeren Mitteln.

Alles Normale erreicht niemanden mehr. Sogar alles Interessante, Intelligente, Schöne und wirklich Bemerkenswerte wird nicht mehr wahrgenommen. Es ist so, als ob eine Gruppe von Menschen aus der absoluten Stille des gemeinsamen Schweigens, über ganz leises Flüstern, zu rücksichtslosem Reden, zu störendem lautem Reden, in panisches Schreien und letztendlich in beängstigendes Brüllen übergeht. Und am Ende nur noch ekstatischen, ohrenbetäubenden, sirenenartigen Lärm von sich gibt. An diesem Beispiel lässt sich gut der Verlust von Kommunikation in dem Streben nach Aufmerksamkeit beschreiben.

Und jetzt stellen wir uns vor, dass zu den echten Menschen virtuelle hinzukommen. Also der Raum aus dem Off mit immer mehr Geschrei aus Lautsprechern zusätzlich dominiert wird. Was für ein Alptraum.

Welche Informationen erreichen jetzt noch Menschen? Noch viel schlimmer: Was löst diese Szene in Menschen aus? Ich denke, die sozialen Medien sind so wenig sozial, wie es sich niemand vorstellen konnte. Weil niemand um Ruhe bittet. Weil niemand zuhört und ausreden lässt. Die wichtigen sozialen Regeln für Kommunikation sind in den sozialen Medien aufgehoben. Was zu einer wirklich unappetitlichen und gefährlichen Entwicklung führt.

Leider ist es nicht wie beim Alkohol, wo eine ständige Verdünnung und Wirkungslosigkeit die angenehme Nebenerscheinung hätte, dass es weniger Alkoholiker gäbe. Sondern es ist eher wie Kokain, das immer weiter gestreckt wird mit sehr ungesunden Mitteln. Somit hat es gleich zwei hässliche Nebenwirkungen: Man muss die Dosis ständig erhöhen und nimmt das Ungesunde dabei noch mit in Kauf.

Für Unternehmen, die gerne an Profil gewinnen wollen, ist das ein sehr schädliches Umfeld. Ganz zu schweigen von Unternehmen, die so etwas wie Kundenbindung oder Kundengewinnung anstreben. Ist man nicht kontinuierlich bereit, diese Menge zu bezahlen und diese Amplitude der Reizschwelle zu erreichen, dann ist das alles nur teuer, beschädigt die Marke und ist wirkungslos.

Diese Entwicklung hat es in vielen gesellschaftlichen und auch wirtschaftlichen Bereichen immer gegeben. Mit immer derselben Konsequenz: der Konsolidierung. Als Rockmusik immer lauter werden musste und Konzertbesucher Hörschäden davontrugen, wurde nach dem Überschreiten der schädlichen Schallgrenzen und damit Schmerzgrenzen diese Entwicklung zum einen gestoppt, und zum anderen tragen Menschen Ohrstöpsel, um sich zu schützen. Als die Bräunung der Haut noch den hohen sozialen Status definierte und man sich wie Brathähnchen im Urlaub förmlich röstete, hat die Entwicklung des tödlichen Hautkrebses hier für ein radikales Umdenken gesorgt.

Man sieht immer eine hemmungslose Fehlentwicklung, die dann zu dramatischen Folgen und Konsequenzen führt, und dann geht es weiter in eine andere Richtung. Und genau diese Eskalation der Trivialisierung umgibt uns gerade in rasender Geschwindigkeit mit all dem Getöse. Aber am Ende auch dieser eklatanten Entwicklung steht die Erkenntnis: so nicht. Und es geht von vorne los. Anders weiter. In eine neue Richtung. Oder es verabschiedet sich etwas.

Wenn man in einem Restaurant sitzt, in dem die Akustik das Gespräch mit seinem Gast unmöglich macht, weil die Lautstärke aller Gespräche und die Musik es unmöglich machen, dann rufe ich gerne mal total laut: RUHE. Und für einen Moment ist dann Stille, und alle reden erst mal leise weiter, bis es nach einiger Zeit wieder so laut wie vorher ist. Das zeig den Kommunikativen-Egoismus der Menschen. Lauter werden um sich durchzusetzen, liegt in der Natur der Menschen. Und ich weiß wovon ich rede.

Kommunikation erfüllt nur ihren Sinn, wenn man sich versteht. Und es ist nicht so entscheidend, was man selbst sagt, sondern was der Empfänger versteht. Die sozialen Medien sind grundsätzlich als Monolog ausgerichtet. Sie sind für Dialog nicht ausgerichtet. Alle senden. Somit ist das keine Kommunikation, die das Wort beschreibt: Dialog. Es sind Monologe Medien. Der Dialog wird entweder gar nicht zugelassen, verhindert oder findet Anonym statt. Mit Blick in viele Kommentarspalten, ist unschwer zu erkennen – das ist krankhaft. Das ist nur Konfrontation, Provokation aber keine Kommunikation.

Die sozialen Medien werden in der Form sterben. Sie hatten ja ihre gute Zeit. Sie haben ihre eigentlichen Zweck nicht erfüllt – als soziale Medien. Sondern das Gegenteil ist eingetreten. Somit haben sie ihre Daseinsberechtigung verloren. Und sie stellen keinerlei Verlust für das gesellschaftliche Miteinander dar. Sondern ganz im Gegenteil. Was würde der Menschheit wirklich fehlen, wenn sie nicht mehr Rauchen würde? Süchtige? Krankheit? Würde das den Fortbestand gefährdend? Das Miteinander?

Das eigentliche Versprechen der sozialen Medien war ein wundervolles: Freiheit, Gleichheit, Demokratie, Wohlstand, Wissen und Sicherheit für alle. Auch ich dachte am Anfang, das ist das fehlende Werkzeug, um die Welt zu befreien. Das ist das Instrument, das die Würde des Menschen für alle in die Wirklichkeit umsetzen kann. Aber wir haben uns geirrt. So wenig wie Zigaretten frei machen. Und Alkohol eine gute Belohnung ist. So wenig wie Zucker das Leben versüßt. Plastik eine tragende Rolle spielt. Wir haben uns wie so oft fundamental geirrt, manipulieren und täuschen lassen.

Der Mensch irrt sich. Das ist zutiefst menschlich. Und das Schöne: Er lernt auch nichts daraus. Auch das ist menschlich.

Lösung: Akzeptieren. Lassen. Verändern. In dem Wort Erkenntnis steckt das Wörtchen erkennen. Und daraus eine Haltung gewinnen und eine Handlung ableiten. Es ist ja nicht so, als ob wir nicht miteinander kommunizieren könnten, wir müssen es nur einfach wieder tun. Im Dialog. Senden und Empfangen. Und uns versichern, verstanden worden zu sein. Wir müssen es wieder erlernen.

Akzeptieren heißt dabei nicht respektieren. Sondern den Umstand annehmen so wie er ist. Man darf ihn trotzdem weiter ablehnen. Dieses vollumfängliche Annehmen macht die Veränderung überhaupt erst möglich.

Lassen bedeutet nicht fallen lassen. Und unverantwortlich sein. Sondern genau das Gegenteil. Etwas in die Verantwortung der eigentlich Verantwortlichen zurückgeben. Loslassen, um die Hände und Gedanken frei für anderes, Neues, Besseres zu haben.

Und Veränderung ist immer bei einem selbst. Man verändert nicht den, die oder das andere. Man verändert sich. Auf die Veränderung des anderen kann man ewig warten. Und das Magische daran, sich selbst zu verändern, ist: Mit seiner eigenen Veränderung verändert man letztendlich alles.

Alles, was sich je verändert hat, ist letztendlich zurückzuführen auf eine einzige Person, welche den Impuls, den Anstoß dazu geliefert hat. Die meisten dieser Persönlichkeiten, die ganze Entwicklungen ins Rollen gebracht haben, werden eventuell nie dafür bekannt. Aber das war auch nicht ihre Intention. Die Intention war, einen Umstand in der Form einfach nicht mehr zu akzeptieren. Und es hat sich in dem Moment einfach sehr, sehr gut angefühlt. Wussten sie das, alle Menschen mit Blauen Augen, von einem und demselben Menschen abstammen? Aus einer Laune der Natur. Einem Gen-Defekt. Es war nur einziger, der die Menschheit Blauäugig macht hat.

Gedanke: Verdünnung.
Über Reichweite
und Aufmerksamkeit
in der Kommunikation.

Gedanke: Verbindungen.
Über falsche
Zusammenhänge in
der Wahrnehmung. 

Gedanke: Bewegung.
Eine interessante
Beobachtung im
Konsumverhalten. 

Gedanke: Denken.
Eine denkwürdige
Prophezeiung
über’s Denken.

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