Freitag, 21. Mai 2010
Überschätze die Menschen, überschätze dich selbst, überschätze die Welt
Samstag, 1. Mai 2010
Programmierung, die kleinen Voreinstellungen fürs Leben
Diese Programmierung besteht aus drei unterschiedlichen Strukturen. Das gibt es die erbliche bedingte. Also das, was man von der Stunde „Null“ schon mit im Gepäck hat, bevor die eigentliche Show des Lebens beginnt.
Dann kommt die Sozialisierung von außen hinzu. Auch ein großes Kapitel. Also was widerfährt dem Individuum von der Stunde „Null“ bis zum eigentlichen Abschluss und der endgültigen Formung der Persönlichkeit, des Charakters und somit des Individuums.
Zum guten Schluss gesellt sich noch die Sozialisierung von innen hinzu, was den persönlichen Interessen, Begegnungen, Begabungen, Talenten, Faulheit, Zufall, Glück, Pech, Krankheiten und allem anderen entspringt oder eben nicht.
Somit wird das Individuum in seiner endgültigen Form von diesen drei Parametern geformt, geschmiedet und gestaltet. Diese Form wandelt sich zwar nur noch minimal, aber sie wandelt sich zeitlebens durch den Einfluss dieser drei Parameter. Wenn man nach 25 Jahren zu einem Klassentreffen kommt, bemerkt man nach nur fündf Minuten, dass alle Verhalten und Rollenspiele wie früher sind. Es hat sich kaum was verändert.
Problem. Man nimmt die negativen Dinge ebenso kritiklos mit wie die positiven. Das Bewertungssystem macht gerade in jungen Jahren da noch keinen Unterschied. Das bildet sich erst im Laufe der Zeit raus. Somit legitimieren sich zum Beispiel Gewalt, Stress, Alkoholkonsum, falsche Ernährung, fehlende Bewegung und alles weitere für das gesamte Leben. Wer einem, mehreren oder allen diesen negativen Einflüssen nicht ausgesetzt wird, der ist zwar nicht davor gewappnet, aber er muss eine schwierige Phase durchlaufen, er muss sich überwinden. Er muss dem negativen bewusst den Vorrang gewähren.
Das tun nicht viele Menschen. Ebenso verhält es sich mit positiver Programmierung. Auch diese legitimiert den Gebrauch für das zukünftige Leben. Nun wird unser Leben, unsere Persönlichkeit vor allem durch die negativen Programmierungen negativ beeinflusst. Wir wissen aber erst nicht, dass diese negativ sind. Denn als sie in unsere Persönlichkeit gepflanzt wurden, war wie gesagt das Wertesystem noch nicht ausgebildet.
Dann verharmlosen wir diese negativen Aspekte unserer Persönlichkeit. Dann verteidigen wir diese negativen Aspekte unserer Persönlichkeit. Dann kaschieren wir die negativen Aspekte unserer Persönlichkeit. Dann erklären wir diese. Dann, wenn noch Zeit bleibt, bekämpfen wir diese. Dieser Prozess, Negatives bewusst nicht weiterzugeben an Generationen danach, ist nicht weit verbreitet. Deshalb zieht sich eine Großzahl menschlicher Probleme über Generationen hin und werden auch noch lange fester Bestandteil des Menschen sein.
Es ist nicht nur schade, sondern es ist absolut ernüchternd, dass die menschliche Intelligenz nicht dazu ausreicht, einen Bruch mit diesem Verhalten zu vollführen, denn es würde Raum für das Positive schaffen. Man würde viel weniger Aggressionen und Konfrontationen haben. Bestimmte Konflikte wären ausgestorben. Aber wie gesagt, es ist Teil des Menschen, dass er dazu nicht oder nur minimal im Stande ist. Das verwundert, wenn man bedenkt, mit wie viel Aufwand er alles unternimmt, um technische Mängel zu beseitigen oder Entwicklung voran zu treiben. Aber bei sich selbst ist er dazu nicht im Stande. Ich meine, das liegt darin, dass das Individuum noch nicht akzeptiert in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. So sein wie. Übereinstimmung mit. Das Verstecken, Verkleiden und Verändern der Persönlichkeit hin zu einem „Ideal“ ist immer noch weit verbreitet. Man selbst zu sein, ist noch nicht so weit verbreitet. Aber es ist nicht ausgeschlossen, dass auch diese Entwicklung mal vollzogen werden könnte.
Wenn man bedenkt, was schon alles in der Mitte der Gesellschaft endlich angekommen ist und welches Übel man an den Rand gedrängt hat, dann stirbt auch hier die Hoffnung zuletzt.
Mittwoch, 14. April 2010
Von wegen Paradies
Somit ist dieses ewige Bestreben nach Perfektion, nach Vollendung, nach Vollkommenheit von dem Umstand begleitet und dann? Was kommt danach? Ich spiele auf dem Handy gerne Five Duce, dass ist Kniffel auf englisch. Zur Entspannung ist das wunderbar. Es ist ein Glücksspiel, das auch eine taktische Dimension hat. Das perfekte vollkommene Spiel würde bedeuten, dass man 1, 2, 3, 4, 5, 6 Kniffel wirft. Dann einen 3 und 4 Pasch mit 6er Kniffel. Dann ein Full-House, kleine und große Straße, den Kniffel überhaupt und auch bei der Chance einen 6er Kniffel. Somit bräuchte ich 13 Kniffel für das vollkommene Spiel. Mehr geht nicht. Das bedeutet, die maximale möglich Punktzahl beträgt 1.614 Punkte. 95% aller Spiele erzielen weniger als 300 Punkte. Aber ebenso mehr als 150 Punkte.
Um beim Beispiel zu bleiben. Wer unter 150 Punkte wirft, erlebt die Hölle, wer über 300 wirft, bewegt sich auf das Nirvana zu. Mein höchstes Spiel beträgt unglaubliche 704 Punkte. Gespielt am 01.02.2010. Es war nur ein Spiel von sehr vielen.
Trotzdem reizt es den Menschen, diese Latte höher und höher zu legen. Auch wenn es nicht oder nur lange nicht gelingt. Wir wollen immer höher hinaus – warum? Denn das Blöde am perfekten Spiel ist, dass man es danach nicht mehr spielt. Wer das Maximum erreicht hat, der hat nichts mehr zu erreichen. Somit ist es von Vorteil, wenn wir dieses nie erreichen, um den Reiz, die Motivation aufrecht zu erhalten.
Es gibt immer einen der reicher, schlanker, schlauer oder was auch immer ist. Aber warum messen wir uns ständig? Warum bewerten wir ständig? Warum liegen wir ständig im Wettbewerb? Wenn nicht mit uns selbst, dann mit anderen? Warum ist das ganze Leben ein großer Wettbewerb?
Es ist genau dieses Verhalten, was das Leben miteinander zu kompliziert macht. Würden wir das lassen – was natürlich nicht geht – aber nur mal hypothetisch gedacht, würden wir diesen Wettbewerb der Religionen, Menschen, Systeme, Ideologie, Dogmen, des Wissens, der Meinungen und allem anderen einfach lassen und den Wettbewerb wandeln in eine Art gemeinsamen brüderlichen produktiven und konstruktiven Umgang miteinander, was wäre dann?
Mein Gefühl sagt mir, dass der Mensch alles unternimmt, um überlegen zu sein. Alles. Er denkt wirklich, der Zweck heiligt die Mittel. Dabei lenkt das ab von den wesentlichen Dingen. Wäre das etwa das Paradies? Die völlig vollendete Langeweile, wenn alle Menschen nicht mehr im Wettbewerb zueinander stehen. Niemand mehr Überlegenheit anstrebt, sondern wie bei einer schönen Fahrradtour das gemeinsame Erlebnis im Vordergrund steht, gemeinsam loszufahren und gemeinsam anzukommen. Wenn der Langsamste das Tempo angibt und niemand ihn dafür drangsaliert, sondern eventuell unterstützt.
Natürlich genießt gerade der Wettbewerb seinen besonderen Reiz. Die Lust etwas zu erlernen. Etwas zu können und das besser als andere. Oder sogar am besten. Aber ein Gefühl sagt mir, so schön dieses Bestreben auch ist, es lenkt ab von dem, was wirklich wichtig ist.
Freitag, 9. April 2010
Der unbändige Wunsch nach Anerkennung
Und wenn die Anerkennung nicht von außen kommt, dann holt man sie sich von innen. Mit den sichtbar negativen Ergebnissen. Wenn man den ganzen Tag gearbeitet hat, aber nicht das Gefühl der Anerkennung einem zuteil wurde, dann entwickelt man Verhaltensweisen und Rituale, die dieses Defizit ausgleichen.
So gönnt man sich zum Beispiel eine Flasche Wein. Und isst dazu etwas Leckeres. Diese Art der Selbstbestimmung und die damit verbundene Freiheit, sich selbst als Anerkennung etwas Ggutes zu tun, ist nur der direkte Weg in die Falle. In die Falle einer Verhaltensauffälligkeit, die dann zur Verhaltensstörung wird und in einer Sucht enden kann. Bei alldem geht es aber nur um dieses Gefühl, das man so sehr vermisst.
Bekommen diese Menschen zu wenig Anerkennung? In der Regel ist das nicht so. Es verhält sich wie bei allen anderen Menschen auch. Aber in der Sozialisierung gibt es da eine Störung. Oft gab es zu viel Anerkennung für zu wenig. Vor allem in der Kindheit. Kinder wurden für alles mögliche über den Klee gelobt. Die Unverhältnismäßigkeit von Anerkennung bringt das psychische Wertesystem in Schieflage. Nun ist das Kind aber schon in den Brunnen gefallen. Wer kennt keine Menschen in seinem Umfeld, die mit solchen Verhalten zu kämpfen oder darunter zu leiden haben. Meist trifft beides zu.
Aber das Beenden oder Einschränken von solchem Verhalten bringt die Angst mit sich, auch diese Art der Anerkennung von innen zu verlieren. Deshalb hören Menschen damit nicht auf. Es ist paradox, aber Menschen gehen lieber lebensbedrohliche Risiken ein, anstatt einem gesunden Menschenverstand folgen zu können.
Somit hilft auch keine falsche Anerkennung. Die Menschen sind nicht blöd. Das merkt ja jedes Kind. Sondern wenn die Menschen nicht das Glück finden, etwas zu machen, was ihnen ein gesundes Verhältnis zu echter Anerkennung vermittelt, dann wird und kann sich nichts ändern. Somit müssen sie lernen, mit diesem Gefühl richtig umzugehen. Man muss akzeptieren, die Schuld nicht in der Vergangenheit zu suchen. Denn eigentlich war es ja nur gut gemeint. Da wussten es Menschen einfach nicht besser. Es lag kein bewusstes Handeln vor, das absichtlich dieses Störung hervorrufen sollte, sondern ganz im Gegenteil, da wollten Menschen einem eigentlich etwas Gutes tun.
Und so zieht sich das dann durch ein ganzes Leben. Nichts ist gut genug. Sogar am Lob hat man was auszusetzen. Es kommt zu spät oder von der falschen Person. Man wird im Laufe der Jahre unfähig, Anerkennung zu erkenne, zu sehen und anzunehmen.
Was das Rad der Verhaltensstörung nur schneller drehen lässt. Somit wird die Wesensveränderung immer umfangreicher. Die Dosis dessen was man macht um sich selbst Anerkennung zu zollen wird größer und größer. Und sie wird im sozialen Kontex eines Miteinanders absurder. Man zieht sich immer mehr in sich und auf sich selbst zurück.
In der Falle. Wo ist der Ausweg? Wie kommt man aus diesem Hamsterrad wieder heraus? Was unterbricht diese Kettenreaktion? Einfach gesagt: professionelle Hilfe. Wer an sich selbst erkennt, dass sein Verhalten unnatürlich und besorgniserregend ist, dem kann man helfen. Mein Hinweis an Menschen, die solche Menschen kennen und schier verzweifeln, weil sie es nicht schaffen, etwas dazu beizusteuern, was dieses Verhalten verändert: Man kann nichts machen. Nichts. Außer da zu sein, wenn der Hilferuf kommt. Und dann wirklich da zu sein.
Es ist wie bei Diäten. Der Wunsch eines Menschen abzunehmen, ist groß. Der Grund, warum man dick wird, ist aber wie beschrieben einfach. Man isst nicht aus Hunger, sondern um ein Bedürfnis nach Anerkennung zu befriedigen. Somit kann man eine zeitlang dieses Bedürfnis mal hinten anstellen. Aber nach der Diät klopft dieses wieder an der Vordertür an und kommt auch durch diese wieder hinein, denn die Anerkennung einer Diät ist nicht von Dauer. Was einem am Anfang einen Schub verleiht, ebbt ab. Und nun? Nun ist auch diese Anerkennung erloschen. Also fällt man in alte Verhaltensmuster zurück.
Der Ausweg ist nicht die Diät, das Abnehmen und besser aussehen. Der Ausweg ist die Veränderung der Verhaltensauffälligkeit – Essen und Trinken als Anerkennung. Begreifen, dass dies ein falsches, dummes und nicht funktionierendes Ritual ist, das das eigentliche Problem sukzessive verstärken muss. Somit ist der Weg der falsche in die genau falsche Richtung.
Es geht allein um den angemessenen Umgang mit der Anerkennung. Wer diese aus sich selbst schöpfen kann, darf sich glücklich schätzen. Wer auf Anerkennung von außen in immer höheren Impulsen angewiesen ist, der ist übel dran. Also, was denkst Du wirklich über dich? Nur du? Beobachte dich. Reflektiere dich. Vergleiche dich. Wer würdest Du gerne sein? Wie würdest Du gerne gesehen und verstanden werden? Welcher Mensch würdest du gerne sein, wenn du dir diesen wünschen könntest? So, und nun verhalte dich auch so. Konstant, konsequent, kontinuierlich und kreativ.
Es ist nichts passiert, es gibt nichts zu sehen, machen sie weiter als ob nicht geschehen ist...
Schon beeindruckend wie es eine ganze Branche weg spült. Und alle üben sich in Gelassenheit. Das ist nicht irgendeine Agentur. Das war „DIE“ Agentur. So kann es gehen. Was machen die jetzt mit den ganzen Nägeln und Löwen? Alles für die Katz.
Dienstag, 6. April 2010
Viel vorgenommen
Und im Café auf gleich noch einen freien Tisch. Das wird ja immer besser. Früher nachmittag, München 22 Grad und Sonne und im Café ist gleich ein Tisch frei. Als meine Fokussierung nachlässt schaue ich mal rechts und links. Rechts neben mir sitzt ... Hallo?! Rechts neben mir sitzt Sebastian Schweinsteiger. Heute ist doch Champions League. Aber stopp, er ist ja gesperrt. Macht er sich also einen entspannten Tag am Gärtnerplatz. Cool.
Egal, ich genieße die Sonne, den Cappuccino und den Tisch. Heute habe ich eine Reise in die Vergangenheit unternommen - und eine in die Zukunft. Alles an einem Tag. Das bedeutet, dass ich geistig ganz schön unterwegs war. Zuerst begab ich mich auf eine Reise weit zurück. Ich war in einem Skateboardladen. Dazu muss man wissen, dass ich in meiner Jugend Skateboarder in Köln war. Und das ich eine lange Zeit auf der Domplatte zugebracht habe. Unsere Pilgerstätte war ein Laden auf der Ehrenstraße in München. Das Blue Diamond.
Wie oft haben wir unser paar Mark dahin getragen und sind nur mit paar Aufklebern raus. Alles darin war so unendlich begehrenswert, aber ich hatte einfach nicht die Kohle. Damals war ich so 15 Jahre. Skateboard war mehr eine Einstellungssache. Natürlich auch ein Sport, aber eigentlich war es ein Statement. So versuchte ich heute in dem endlos geilen Skateboardladen der Neuzeit mitten in München ein wenig ins Gespräch zu kommen. [Boneless Longboards & Clothes, Herzogspitalstraße 11, 80331 München http://www.boneless-muenchen.de ]
Die Zeitreise war unglaublich, ich fühlte mich wie damals, nur das mir die Preise so mikrig vorkommen. 4 Rollen kosteten um die 30 EUR. Heute denke ich na und. Damals wären das 60 Mark gewesen. Bei 20 Mark Taschengeld und Ausgaben von 50 Mark pro Monat undenkbar. Vieles von damals gibt es heute noch. Aber weit aus mehr hat sich verändert. So versuchte ich ein wenig meine Erinnerungen ins Spiel zu bringen, was mich aber unglaublich alt machte. Egal. Ist halt so.
Jedenfalls habe ich meinem Sohn ein Skateboard gekauft. Ein richtiges. Ein ordentliches. Nichts so ein Sportladen-Klump. Und bei der Vorstellung das ich mit meinem Sohn gemeinsam Skateboard fahren könnte, viel mir auf, dass mir eins fehlte. Somit habe ich mir gleich eins mit gekauft. Was für ein geiles Gefühl. Der Laden ist wirklich toll. Alles da. Und die machen das sofort. 15 Minuten später standen zwei Fertige vor mir. Eins geiler als das andere. Es gibt heutzutage Tüten für Skateboards. Witzig. Lange, flache Tüten in die ein Skateboard passt. So eine Art Baguette-Tüte für Skateborads. Der Laden hängt voll, mit allem, was das Skater-Herz höher schlagen lässt. Wie gesagt ich stand da quasi in meiner eigenen Vergangenheit. Schön. Ein wunderbares Gefühl. Und mein Entschluss den Traum von damals ein Stück weit wieder aufzunehmen und einfach weiter zu träumen fand ich auch toll.
Somit werde ich meinem Sohn und mir ein Board schenken und dann werden wir zusammen skaten. Vorab muss ich ein wenig üben, damit die Tricks von damals einigermaßen wieder funktionieren. Oder ich muss schnell raus bekommen, welche noch gehen. Mal schauen, ob ich das Skateboard wieder zu einem Teil meines Lebens mache. Wie damals. Muss nicht sein, kann aber.
Aber einen Traum, der soweit zurück liegt, einfach wieder aufzunehmen ist schon irre. Wenn mein Sohn nicht danach gefragt hätte, wäre ich selber nicht drauf gekommen. Wozu Kinder alles gut sind! Das Personal im Laden ist wirklich aufmerksam. Und irgendwie schaffen Sie es einen nicht alt aussehen zu lassen. Also nicht so alt wie man ist. Aber die Einstellung, die Typen sind damals wie heute identisch. Am liebsten hätte ich dem Besitzer erklärt wie sein Leben nun weiter geht, aber ich habe mich zurück gehalten.
Denn ich hatte einen Termin. Ein Termin, der gedanklich eine Reise in die Zukunft war. So fuhr ich los, noch ganz beseelt von der Zeitreise zuvor. Angekommen musste ich nun völlig umdenken. Plötzlich unterhielten wir uns darüber wie es in Zukunft sein könnte. Auch hier erlebte ich die selbe Faszination in mir. Komisch, ob ich zurück oder nach vorne blicke, das Gefühl ist gleich schön. So beschrieb ich ausführlich und sehr detailliert wie ich mir die Zukunft in meinem Geschäft vorstelle, dabei ließ ich immer einfließen, was davon schon Realität ist - und was als nächstes kommt.
Ist es nicht toll, was man mit Fantasie und Vorstellungskraft alles erleben, sehen und beschreiben kann. Manchmal liebe ich mein Gehirn, was mir das alles erst möglich macht. Es beeindruckt mich sogar. Denn innerhalb von sagen wir mal 3 Stunden ca. 40 bis 59 Jahre Zeitsprung, voller Emotionen, voller Bilder und Gefühle. Wahnsinn. Und das ohne Hilfsmittel, die gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen würden.
Was für ein Tag. Und jetzt sitze ich hier im Café, Schweinsteiger neben mir und heute Abend sitze ich im Stadion. Auch so eine seltsame Zusammenkunft. Der Mann, der auf den Platz gehört, sitzt plötzlich hier und ist heute Abend nicht da, wo er eigentlich hingehört.
Sonntag, 4. April 2010
Paul Newman "No one can eat 50 eggs"
Dienstag, 30. März 2010
Der alte Mann und das Schreiben
Gibt es nicht. Der Text könnte hier enden. Tut er aber nicht. Denn beim Tiefflug durch die Talkshows in der Nacht bin ich bei so einem älteren Herren hängengeblieben. Ich kannte Ihn nicht, aber die erlauchte Runde und das Publikum vermittelten mir den Anschein, er wäre bekannt. Da saß der über 70jährige und erklärte der Welt, was gutes Schreiben bei redaktionellen Texten ausmacht. Was einen guten Text von einem schlechten unterscheidet. Der Kernsatz war der Einstieg und die Überschrift. Der Einstig muss „pfiffig“ sein, um die Leser in den Text zu ziehen und beim lesen zu halten und die meisten Schreiberlinge befolgen das nicht. Darum soll man sein Buch kaufen oder seine Seminare besuchen, um zu lernen, wie man Überschriften schreibt, pfiffige Einstiege und interessante Texte.
Da saß ich nun vor dem Fernseher und dachte mir, lieber alter Mann, was redest du da für einen Blödsinn. Dieses Schreiben, von dem du da redest, das gibt es nicht mehr. Das war gedacht für Tageszeitungen und für eine Medienlandschaft, Lesegewohnheiten und eine Lebenszeit, die weit hinter uns liegen. Die geprägt waren von dem Wunsch der Manipulation. Man wollte Menschen über Kniffe, Tricks und Handwerk dazu verleiten, Informationen und Botschaften zu verinnerlichen, die bestimmten Interessen dienlich waren.
Somit neigt sich diese Epoche dem Ende. Denn Authentizität, Glaubwürdigkeit, Offenheit, Ehrlichkeit und Klarheit leben vor allem davon, dass man dieses Repertoire locker stecken lassen kann und sollte. Das zu schreiben, was man wirklich denkt, ist das Ziel und das, was die Menschen erkennen und erlernen müssen. Warum also „pfiffig“? Warum Überschriften, die dazu verleiten, in den Text einzusteigen? Das alles sind Hilfsmittel einer aussterbenden Epoche.
Grundsätzlich denke ich, wer nichts zu sagen hat, sollte auch nichts sagen oder schreiben. Und wer was zu sagen hat, der sollte das tun und wie er das macht, ist mir völlig egal. Es geht um den Inhalt und nicht um die Verpackung. Die Äußerlichkeiten haben so maßgeblich unsere Vergangenheit gestaltet, dass man davon ausgehen muss das dieser Reiz als Reiz seine Wirkung verliert. Viel mehr, es langweilt noch brutaler wenn mich eine Überschrift verführt und der Einstig eines Textes verleitet und ich am Ende des Textes denke – Und? Jetzt? Was? Das ist ja wie Vorfreude auf honigmelonenartige Brüste und dann hält man einen Wonderbra mit Silikonfüllung in Händen. Das ist enttäuschend. Ich glaube, solche Formulierungen wie die am Schluss dieses Textes, wünscht sich der Herr ganz an den Anfang. Mir ist das egal, dann mache es lieber falsch, denn diese Art von Konstruieren langweilt mich.
Sonntag, 28. März 2010
Unvollkommene Betriebsanweisung für ein anderes Leben

Bevor man etwas ändert, sollte man genau wissen, was man ändern will, warum man es ändern will und welches Ziel man damit verfolgt. Wer mit dem Bier trinken aufhören will und anstatt Bier Wein trinkt, der hat zwar was geändert und mit etwas aufgehört, aber es kommt so ziemlich auf dasselbe raus.
Somit zäumt man auch dieses Pferd am besten von hinten auf. Das heißt, wie soll dein Leben sein, so dass es genau so ist, wie du es dir wirklich wünschst. Und lege dabei keinen Wert auf materielle Dinge, sondern primär aufs ideelle und emotionale. Das heißt, wenn du dir mehr Zeit wünschst, dann ist das eine Sache. Aber wofür? Eventuell hast du keine Zeit, weil du mit Zeit ohnehin nichts anzufangen wüsstest. Somit ist das Klagelied nur das Echo dessen, was alle sagen. Viel Stress, wenig Zeit. Aber nimmt man den Menschen den Stress und gibt ihnen Zeit, füllen sie das entstandene Vakuum nur mit neuem Stress und somit wieder zu wenig Zeit aus.
Aber will man wirklich mehr Zeit mit seinen Freunden verleben. Oder mehr Zeit mit sich, weil man lesen, sich fortbilden, Klavier lernen, eine Sprache dazu lernen will. Weil man Sport betreiben will. Oder mehr im Garten arbeiten. Zeit soll gefüllt werden, ob mit Anspannung oder entspannt.
Somit haben zwar viele den latenten Wunsch, etwas zu ändern, aber fehlende Interessen verhindern ein konsequentes Handeln. Somit bezeichne ich das lieber als „Leiden auf hohem Niveau“. Was gibt es schöner als eine erfüllte Zeit zu haben und voller Zufriedenheit mit der nötigen Müdigkeit und der damit verbundenen Bettschwere in dasselbe plumpst und sich schon auf den nächsten Tag freut.
Was ist schlecht an Stress, solange dieser nicht negativ und ausdauernd ist? Ich denke, dass die wichtigen Dinge, die man im Leben ändern sollte, sehr einfach sind. Sie erscheinen einem nicht so wichtig. Sie sind nicht ständig präsent. Wer die Chance haben will auf möglichst viele erfüllte Tage, der muss nicht nach mehr oder anderem streben, sondern vor allem nach weniger und beständig.
Es ist die Kunst des Weglassens. Die Kunst des Loslassens. Und das Wenige muss sich auf einem idealen optimalen Niveau abspielen. Nicht die Masse macht glücklich, sondern die wirkliche Befriedigung eines relevanten Bedürfnisses. Keiner hegt den Wunsch, viel Medizin zu nehmen, um gesund zu werden, sondern am liebsten würden wir keine oder so wenig wie möglich zu uns nehmen. Wenn man genau hinschaut, verhält es sich mit vielen Dingen in Wirklichkeit so.
Meetings in Unternehmen ersetzen den Wunsch nach sozialen Kontakten. So alleine am Arbeitsplatz und im Büro ist ja zeitweise ganz nett. Aber wenn Menschen zusammen kommen, dann löst das etwas in uns aus. Nur blöd, wenn das Meeting dann so instrumentalisiert wird, dass außer sozialem Kontakt dabei nichts mehr herauskommt. Das kann man an vielen Stellen unserer Gesellschaft beobachten. Die Zusammenkunft hat mit dem, was man da macht, eigentlich nichts zu tun. Man trifft sich nicht zum grillen, um wirklich nur zu essen.
Unser Bedürfnis, Dinge gemeinsam zu erleben, ist spürbar groß. Wir nutzen viele Gelegenheiten, um diesen Bedarf zu befriedigen, bemerken aber, dass die Qualität leidet. Somit fehlt uns vor allem deshalb Zeit, weil wir diese in falsches Verhalten investieren mit dem immer gleichen unbefriedigten Ausgang. Wenn wir das ändern, dann ändern wir alles. Das ist wie eine Kettenreaktion. Man muss nicht viel ändern, man muss nur das Wenige aber richtig ändern. Zum Beispiel die Wertschätzung. Wenn man die Wertschätzung sich selbst gegenüber auf ein hohes Niveau stellt und passend zu diesem sich entsprechend allem und allen anderen gegenüber verhält, dann treten alle die Veränderungen ein, die wir uns insgeheim wünschen. Denn wie sollen ganze Tage für uns die reinste Erfüllung sein, wenn wir nicht die nötige Wertschätzung aufbringen? Nicht uns selbst gegenüber und allem und allen anderen? Das ist unmöglich und das zeigt das Bild unserer Gesellschaft. Uns fehlt es fundamental an Wertschätzung.
Denn aus dieser entspringt all das, was wir uns als Zutaten für einen erfüllten Tag, eine erfüllte Woche, Monate, Jahre bis hin zu einem erfüllten Leben wirklich wünschen sollten. Diese Qualität der Wertschöpfung entspringt der gelebten Wertschätzung. Glaube ich.
Montag, 22. März 2010
Inspirationsantrieb
Aber wir leben nun mal in einer Welt, die wir selbst geschaffen haben. Eine Welt, in der genau diese beiden Aspekte einfach zu kurz kommen müssen. Ein Großteil unseres Tages ist verplant, ebenso ein Großteil unseres Denkens. Wir werden weitestgehend dadurch angetrieben, Systeme aufrecht zu erhalten, die wir selbst konstruiert haben. Dabei bedarf es keiner Inspiration oder Intuition, sondern man muss es einfach aushalten, durchhalten und machen.
Diese Systeme, die wir selbst erschaffen haben, haben sich längst verselbstständigt und verlangen uns weitaus mehr ab, als eigentlich nötig wäre. Das ist wie mit der Verwaltung in Krankenhäusern. Die machte mal 10% der Personals innerhalb eines Krankenhauses aus, dann hat sie sich mit sich selbst beschäftigt und immer mehr Raum und Platz eingenommen. Heute sind mehr Menschen in der Verwaltung tätig als am Patienten. Und so verhält es sich in vielen Systemen. Keiner hat diese reguliert, zur Raison angehalten. Diese haben so einen Aufwand in Form von Selbstbeschäftigung entwickelt, dass wir uns ständig zusätzlich damit beschäftigen müssen.
Die Menschen schaffen sich Verantwortungen auch da, wo es keiner bedarf. Und mit denen müssen sich dann alle anderen zusätzlich beschäftigen. Das ist der Tod für die Inspiration. Man muss sich das so vorstellen. Man lebt in einer Beziehung und die Inspiration sagt einem, dass jetzt körperliche Nähe sehr schön wäre. Aber so einfach ist das nicht. Da muss erst ein Antrag gestellt werden. Jetzt will der eine aber sofort. Das geht ja gar nicht, deshalb wird natürlich umgehend ein Arbeitskreis einberufen, der über den Sofortantrag entscheidet.
Jetzt muss die Zusammensetzung dieses Gremiums so sein, dass alle Interessengruppen gleichermaßen vertreten sind. Und eine Agenda muss her. Jetzt wird im Arbeitskreis darüber debattiert. Man stellt fest, dass es verschiedene Positionen gibt, die in jeweiligen Arbeitsgruppen erörtert werden müssen.
Aber auch hier kommt die eine oder andere Gruppe nicht an das gewünschte Ziel. Deshalb holt man sich externe Berater hinzu und Mediatoren. Die Ergebnisse werden zusammengetragen und eine Empfehlung wird ausgesprochen, wie man mit dem Sofortanantrag nach körperlicher Nähe in diesem einen besonderen Fall verfahren sollte.
Das wird in einem 234 Seiten umfassenden Bericht der eigentlichen Behörde übergeben. Diese folgt der Empfehlung und stimmt somit dem sofortigen körperlichen Näherkommen zu. Dieser Beschluss wird dem einen Partner zugestellt, was dem anderen natürlich noch die Option eröffnet, Einspruch einzulegen. Aber das ist nicht nötig, denn der andere schläft schon.
Das eigentliche Problem ist ...
Denn die Stärke von Deutschland liegt zum Beispiel darin, dass wir an so viele andere Länder grenzen und somit der Warenaustausch ein ganz anderer ist. Zudem haben wir sechs Monate im Jahr Scheißwetter. Was bleibt einem da anderes, als zu arbeiten? Dann haben wir da diesen emotionalen Wettbewerb mit allen anderen Ländern auf der Welt. Es ist uns in die Wiege gelegt, wie beim Fussball, dass wir immer den Anspruch haben, Weltmeister zu werden. Und nur dieser Titel genügt unseren Ansprüchen. Wir haben zwei Kriege verloren, auch das treibt uns an. Es gibt viele gute Gründe, warum wir so sind, wie wir sind, aber „Das eigentliche Problem ...“ ist sicher keiner davon.
Was für eine Energie da aufgebracht und vergeudet wird, immer das Risiko, die Gefahr, die Bedrohung, den Fehler und alles andere Negative zuerst und lange ins Visier zu nehmen. Da wundert es einen echt, dass überhaupt dabei was rauskommt. Oder es zeigt deutlich, was möglich wäre, wenn wir das einfach umdrehen würden in ein Denken und Handeln, das von Chance, Stärke, Möglichkeiten und Lösungen angetrieben wäre. Wenn wir das einfach umdrehen würden.
Oh mein Gott, was machen wir dann mit der ganzen Zeit, die uns übrig bleibt wenn wir nur noch in Lösungen denken und handeln. Vor allem, wenn es wieder sechs Monate mieses Wetter gibt. Ich bin überzeugt, wenn uns hier einfallen würde, was man da Tolles machen könnte, erst dann würden wir das lassen. Bis dahin sitzen Massen von Menschen in Meetings, in den alles gesagt wurde, aber noch nicht von allen. In denen man sich ausgiebig und ausführlich mit dem Problem auseinandersetzt, in allen erdenklichen Formen. Beschäftigungstherapie ist das. Und das wirklich Wahnsinnige daran ist, dass die meisten wirklich überzeugt sind, das muss so sein. Es geht nicht anders. Unglaublich.
Freitag, 19. März 2010
Eine lückenlose Aufklärung
Wenn jemand mir zurief „Lass uns telefonieren!“ Dann dachte ich früher „Lass uns telefonieren!“ Aber dem war beinichten so. Denn „Lass uns telefonieren“ bedeutet eigentlich, ich habe keine große Lust, jetzt mit dir zu kommunizieren. Darum schiebe ich das auf, auf ein Telefongespräch in unbestimmter Zukunft, in der Hoffnung, dass auch das in Vergessenheit gerät.
Auch schön ist „Mensch, wir müssen uns echt mal wiedersehen“. Auch diese Formulierung bedeutet genau das Gegenteil. Wenn auch noch die Vokabel „spontan“ oder „bald“ mit in die Formulierung eingebaut wird, bedeutet auch das genau das Gegenteil. Nämlich, ich habe jetzt keine Zeit und keine Lust auf dich, deshalb heuchel ich jetzt Interesse vor, um mich so der Situation elegant entziehen zu können.
Als ich hinter die Möglichkeit der gegenteiligen Formulierung gekommen bin, habe ich mir auch eine einfallen lassen und schon oft genutzt. Wenn ich mal wieder von jemandem mit einem unausgegorenen Einfall genervt werde, die dieser auch noch als Idee tituliert, dann sage ich einfach "Interessante Idee, denke ich mal drüber nach, ich melde mich dann dazu“. Dieser Satz bedeutet natürlich auch das genaue Gegenteil. Nämlich, geh mir nicht mit so einem Blödsinn auf den Wecker und um dich jetzt nicht vor den Kopf zu stoßen und das Thema geschmeidig genau jetzt abzuwürgen, sage ich das.
Und siehe da, es funktioniert. Man muss nur behaupten, dann ist man das Problem los. In letzter Zeit ertönen diese Formulierungen wieder auffällig häufig in den Medien, da muss ja echt der eine oder andere Baum brennen.
Aber das werden wir lückenlos aufklären, darauf können Sie sich verlassen. Und ein paar Wochen später interessiert es kein Schwein mehr. Oder die Medien haben die Lust daran verloren. Oder das Thema hat sich einfach totgerannt.
Vor vielen Jahren hatte ich mal einen Chef, der sagte immer beim Kunden, wenn was voll in die Hose gegangen ist: „Das hat uns den nötigen Adrenalinstoß versetzt, da gehen wir mit aller Energie noch mal ran“. Ich dachte dann immer, was kommt jetzt. Und passiert ist nie was. Wir gingen zurück, klebten alles von links nach rechts oder von oben nach unten. Hier ein wenig und da ein wenig. Und?! Hat funktioniert, der Kunde war dann immer begeistert. Damals hat mich das unglaublich gewundert, heute verstehe ich das. Der Mensch ist Mensch, weil er vergisst. Nur, dass es so schnell geht, um das zu kapieren habe ich dann doch locker 40 Jahre gebraucht.
Mittwoch, 17. März 2010
Schon komisch diese Menschen
Der Mensch ist komisch. Das, was er macht. Das, was er denkt. Und das, was er gedenkt zu machen. Alle wollen im Prinzip dasselbe, auch wenn sie das verneinen. Im Prinzip sind die wirklichen Bedürfnisse, die es zeitlebens zu befriedigen gilt, dieselben.
Aber der Weg dorthin oder besser gesagt, der Weg, der immer weiter weg von diesen Bedürfnissen führt, ist unergründlich. Es sind so viele und so seltsame, dass man das Gefühl nicht los wird, dass uns die Natur zwar die Intelligenz gegeben hat, uns aber dafür die Orientierung genommen hat. Denn es gibt so viele Wege nach Rom, aber nur ganz wenige kommen an, obwohl überall klar und deutlich, und für die jeweiligen Menschen ersichtlich, „Rom“ dransteht.
Nehmen wir mal die Partnerschaft. Wenn es einen Weg gäbe, was machen die Menschen denn da? Also gibt es keinen Weg zur Partnerschaft. Es gibt Wege zum Sex, aber nicht zum eigentlichen Bedürfnis – der Liebe. Nehmen wir das Glück. Jeder will glücklich sein, eventuell mit Ausnahme von Pessimisten und Depressiven. Aber sonst will jeder Mensch glücklich sein. Das Mittel zum Glück soll das Geld sein. Viel Geld heißt viel Glück. Wenig Geld heißt wenig Glück. Wenn man dieser Theorie nur einen Funken an Wahrheit Gauben schenken wollte, warum sind dann Menschen mit und ohne Geld ebenso glücklich wie unglücklich. Und dann muss immer mehr Geld angehäuft werden, um das Glück zu finden, mit dem immer selben Ergebnis. Daran liegt es nicht. Menschen, die nicht komisch sind, brauchen sich kein Witzebuch zu kaufen. Das führt nur dazu, dass man nicht nur nicht komisch ist, sondern auch noch peinlich. Der Mensch unternimmt tagein tagaus sein Leben lang alles mögliche, um seine innersten Bedürfnisse zu befriedigen und sinniert fortlaufend darüber, dass es ihm so selten gelingt. Was er dann alles macht und unternimmt, damit die Befriedigung sich letztendlich doch einstellt, ist wirklich komisch. Sehr sogar.
Denn das wirklich Witzige ist, dass all das vom eigentlichen Weg wegführt und er bemerkt es nicht einmal. Sondern ganz im Gegenteil, er erhöht weiter und weiter die Dosis. Und bemerkt nicht, dass sein Leben droht, einem großen Placebo Effekt aufzusitzen. Dabei wäre der Weg aus der Misere sehr einfach. Aber wem erzähle ich das.
Montag, 15. März 2010
Erwischt – so ein Mist. Moralvorstellungen.
Somit schneiden die Moralvorstellungen der Vergangenheit noch schlimmer ab, als die der Gegenwart. Obwohl man da kaum von schlimmer reden kann. Es ist wie der Unterschied zwischen Pest und Cholera. Bei diesen ganzen moralischen Verfehlungen und der Empörung darüber, bei der Härte der Verstöße und dem Grad dessen, worunter die Opfer leiden müssen, kommt mir immer wieder ein Gedanke. Eine Frage bohrt sich in mein Hirn: Was ist für mich Moral?
Und die Antwort mir selbst gegenüber ist ernüchternd und zugleich erschütternd. Denn meine Auffassung von Moral kann ich so lange vertreten, bis zu dem Zeitpunkt, ja exakt zu dem Zeitpunkt, an dem ich erwischt werde. Ich bin für alle Beteiligten ein moralisch einwandfreier Lebensgenosse, ja bis ich bei diesem oder jenem erwischt werde. Meine Moralvorstellungen leiden auch nicht unter dem Umstand "es ist ja nichts passiert" oder noch nicht. Aber was ist das für eine kranke Auffassung von Moral, dass diese solange für einen, egal was man macht, aufrecht zu halten ist, solange man nicht erwischt wird.
Der Übergang, dass einem dieses Verständnis sogar gefällt und hier und da einen besonderen Kick versetzt, ist nicht zu leugnen. Gegen die eigenen moralischen Vorstellungen verstoßen hat seinen Reiz. Einen besonderen. Aber nur in der Überzeugung und Gewissheit, dass man nicht erwischt wird. Denn das macht keinen Spaß, ganz im Gegenteil. Alles, was man sich aufgebaut hat, fällt dann wie ein Kartenhaus zusammen. Ist es das wert? Ja! Offensichtlich.
Wir kommen aus dem Räuber- und Gendarmspiel unserer Kindheit zeitlebens nicht raus. Kein Kind verweigert sich, Räuber zu sein. Dieses ständige Katz- und Mausspiel prägt unser Verständnis von Moral. Es wird uns zudem vorgelebt. Es ist Teil unserer Sozialisierung. Aber vor allem ist es Teil des Menschen, denn es scheint an Selbstdisziplin zu fehlen. Es scheint ein besonderer Reiz darin zu liegen, die Grenzen der eigenen Moralvorstellung zu überschreiten, statt auf der Seite zu bleiben, auf der man vorgibt, sich zu bewegen.
Moral ist wie Freiheit maßgeblich von dem geprägt, was man nicht macht. Es ist eine völlig falsche Lebensweise zu glauben, dass man alles machen kann und dabei nicht gegen die Grundsätze von Moral und Freiheit verstößt. Sich innerhalb von Grenzen bewegen ist der Sinn von Moral. Und nicht dieses wirklich dumme Spiel, sich am liebsten außerhalb der eigenen und gesellschaftlichen bis hin zu rechtlich relevanten Grenzen aufzuhalten.
So, wie wir es leben, funktioniert es offensichtlich nicht. Entweder akzeptieren wir, dass dieses Verhalten zwar unerträglich ist, aber immer Teil unserer Zivilisation oder man unternimmt was dagegen. Am besten jeder bei sich selbst. Denn hier kann Recht und Ordnung nichts bewerkstelligen, wo es um Haltung geht. Da haben ganz andere Systeme versagt. Und zwar schon lange vorher, zur Zeit und bis auf Weiteres.
Freitag, 26. Februar 2010
89,8 Kilo. Nur noch 10,8 Kilo. Über große Ziele und kleine Schritte.
Anfang Januar berichtete ich darüber, dass meine dicke Zeit nun zu Ende gehen soll. Die Gründe dafür habe ich ausführlich und hinreichend beschrieben. Nun möchte ich einfach mal einen Zwischenstand los werden. Gestartet habe ich am 4. Januar mit 105,5 Kilo - bei 175 cm Körpergröße. Hinzu kommt mein Alter von 45 Jahren und der Stress, den man eben so hat, wenn man leben will wie ich.
Nun habe ich schon mal 15,7 Kilo abgenommen und noch 10,8 Kilo vor mir. Nicht weil ich muss, sondern vor allem, weil ich will. Wenn ich zurückblicke, lag damals ein unglaublich langer Weg voller Entbehrungen vor mir. Aus heutiger Sicht empfinde ich das ganz anders.
Irgendwie kommt es mir gar nicht so lange vor und die erwarteten Entbehrungen bleiben aus. Denn die Freude und das Glück über jedes Kilo, das meinen Körper verlässt, macht jeden Tag einfacher. Der viele Sport tut mir sehr gut. Und den Alkohol mal bei Seite zu schieben, tut mir auch sehr gut. Somit fühlt sich das alles viel mehr als Gewinn an, statt als Verlust. Man verliert nicht an Gewicht, sondern man gewinnt etwas anderes hinzu, das wesentlich schwerer wiegt. Im positiven Sinne.
Was mich manchmal quält, sind zwei Gedanken. Wie konnte ich es soweit kommen lassen und was gibt mir die Sicherheit, dass es nicht wieder soweit kommt? Oder sogar noch schlimmer? Aber dann verwerfe ich die Gedanken, weil diese mir im Jetzt nicht weiterhelfen und sich auch im Jetzt nicht beantworten lassen. Das braucht seine Zeit.
Die Wahrscheinlichkeit, dass ich wieder an Gewicht stark zunehme, ist natürlich relevant. Aber ich bin zur Zeit in einer anderen Lebensphase. Einige Dinge wundern mich sehr. Ich hätte nicht gedacht, dass ich soviel Zeit hätte. Alles geht mir einfacher und schneller von der Hand. Somit bleibt plötzlich Zeit. Aber diese packe ich nicht voll. Ganz im Gegenteil. Ich versuche, den persönlichen Zeitgewinn weiter auszubauen. Denn Zeit für mich und die Menschen, die ich liebe, tut mit sehr gut. So gut, dass die Arbeit mir noch leichter fällt und noch schneller von der Hand geht.
Eine Entwicklung, die mich positiv überrascht und zudem auch beeindruckt. Natürlich verändert sich auch mein Selbstwertgefühl sowie mein Körpergefühl. Mein ganzes Leben erscheint leichter, je leichter ich werde. Somit denke ich, dass ich zu meinem Geburtstag am 21. März mein großes Ziel erst mal erreicht habe.
Aber hinter diesem Ziel erwartet mich jetzt schon gefühlt ein noch wesentlich schwereres Ziel, nämlich diese Konstitution zu bewahren und eher zu verbessern. Über einen Zeitraum von mindestens einem Jahr. Bis dahin müsste sich der Körper an das neue Leben gewöhnt haben.
Es tun sich neue Perspektiven auf. Der Eitelkeit schmeichelt diese Entwicklung auch. Aber die größte Hoffnung setze ich in die Gesundheit. Denn ich mache das, um mit mir und einigen anderen noch viel sinnvolles, schönes und erstrebenswertes zu erleben. So lange es geht.
Als PDF ansehen: Kategorie Blickwinkel | Dieser Monat | Vollständiges Blog










kommentare